Unterwegs mit Strom – Alles Wissenswerte zu Elektromobilität

Elektromobilität ist weit mehr als nur der Austausch des Antriebsmotors. Zu diesem Fazit kamen die zahlreichen Besucher einer Informationsveranstaltung mit Diplom Ingenieur Udo Berger von der OVAG, die auf Einladung der Stadt Schotten und des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten stattfand.

Referent Udo Berger (re) mit der EES-Vorsitzenden Jutta Kneißel und Schottens Klimaschutz-Manager Richard Lang

Die ersten Elektrofahrzeuge gab es schon im 19. Jahrhundert. Allerdings war die Technik noch nicht ausgereift, so dass der Verbrennungsmotor stattdessen seinen Siegeszug antrat. Erst seit etwa 20 Jahren ist die Elektromobilität auf dem Vormarsch. Dabei unterscheidet man zwischen Hybridfahrzeugen, die sowohl mit Strom als auch mit Benzin fahren. Die Batterie wird nicht von außen geladen sondern lediglich durch das Bremsen. Diese Technik wird zunehmend durch reine Elektrofahrzeuge abgelöst, deren Batterie im Stromnetz aufgeladen wird.

Ein immer wieder angesprochenes Problem ist die Reichweite. Hier präsentierte Udo Berger zunächst eine überraschende Erkenntnis. Die Reichweite, die aus einer Kilowattstunde Energie gewonnen wird, ist beim Elektroauto etwa 5-mal so groß wie bei einem Verbrennungsmotor. Allerdings kann dieser mehr Energie speichern. Bei einer Batterie entstehen beim Laden immer Verluste von etwa 30 Prozent. Dennoch erreichen moderne Elektroautos heute Reichweiten zwischen 200 und 300 km. Die Reichweite hängt immer auch vom Fahrstil ab. Fährt man vorausschauend, gleichmäßig  und ohne starke Beschleunigung kann die Reichweite deutlich gesteigert werden.  Der mit am meisten gekaufte Renault Zoe kostet etwas über 21.000 € und liegt damit in einem mittleren Bereich. Seine Reichweite liegt bei 300 km. Super ist natürlich der Tesla, der 600 km Reichweite erreicht. Seine Anschaffungskosten betragen aber auch stolze 70.000 €.

Auch wenn die Anschaffungskosten eines Elektroautos zunächst höher sind, kann sich das durchaus lohnen. Die Betriebskosten sind deutlich geringer als bei einem Verbrennungsfahrzeug, da die Energiekosten günstiger sind. Außerdem gibt es weniger Verschleißteile, so dass die Wartungskosten geringer sind. Mittlerweile gibt es hinreichend öffentliche Ladesäulen mit genormten Steckern auch hier bei uns in Hessen. Die OVAG kooperiert z.B. mit einer Firma PlugSurfing, die über 75.000 Ladepunkte in ganz Europa hat. Hier bezahlt man pro Ladevorgang, wobei die Kilowattstunde mit 36 Cent allerdings relativ teuer ist. Am günstigsten tankt man zuhause an der Steckdose oder noch besser, wenn man eine Fotovoltaik Anlage installiert, damit eine Batterie lädt und diese nachts zum Auftanken benutzt. Bei richtiger Auslegung der Anlage auf den Strombedarf und geeigneten Standort-bedingungen liegen die Stromgestehungskosten für Solarstrom bei 13 – 16 Cent/kWh brutto. Allerdings dauert der Ladevorgang an der normalen Steckdose noch immer ca. 9 Stunden. Es gibt Schnellladesäulen, die die Ladezeit verkürzen.

Nach wie vor wird die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs von der Bundesregierung mit 4.000 € bei Neukauf gefördert. Außerdem sind Elektrofahrzeuge, die bis zum 1. Januar 2021 angeschafft werden für 10 Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Die Bundesregierung hat das ehrgeizige  Ziel, dass bis zum 31.12. 2020 1 Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Dieses Ziel ist kaum zu erreichen. Bis zum 30.9.2018 wurde die Anschaffung von 80.274 Autos finanziell gefördert. Der Anteil an den Neuzulassungen liegt derzeit bei überschaubaren 0,1 Prozent.

Wegen der hohen Schadstoffbelastungen in deutschen Städten können Elektrofahrzeuge stark zu einer lokalen Emissionsfreiheit beitragen. Dies trifft allerdings nur zu, wenn sie auch mit Grünstrom betankt werden. Es ist auch davon auszugehen, dass die Batteriekosten in absehbarer Zeit spürbar sinken werden und dass die Reichweite weiter ausgebaut wird. Die kritische Frage eines Teilnehmers zur Umweltbilanz, die wegen der Produktionsprozesse etwa 8 Jahre betrage, bis von Klimaneutralität gesprochen werden könne, konnte der Referent nicht beantworten. Sollte das so sein, so sein Fazit, sei nach 8 Jahren eine Klimaneutralität erreicht. Ein konventionelles Auto mit Verbrennungsmotor erreiche diese dagegen nie.

Mit der Hoffnung, Lust  zumindest auf eine Probefahrt gemacht zu haben, endete der inhaltsreiche Abend, den die Teilnehmer mit viel Beifall und die Veranstalter mit großem Dank quittierten.

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Stadtradeln

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Quelle: Wochenpost 4.8.18

Quelle: Wochenpost 4.8.18

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Baudenkmäler energetisch sanieren

Alte Ortskerne wohn- und lebenswert erhalten

Die Leerstände in unseren alten Ortskernen nehmen zu. Häuser verfallen. Die Sanierung von alten Fachwerkhäusern ist aufwendig und kostet Geld. Stattdessen weisen die Kommunen neue Baugebiete am Ortsrand aus. Die Menschen bauen in diesen neu entstehenden Wohngebieten. Leider wirken diese als Gesamtensemble oft eintönig und haben keinen eigenständigen Charakter. Den besitzen jedoch unsere alten Dörfer und Städte im Vogelsberg und in der Wetterau. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) und der Klimaschutzbeauftrage der Stadt Schotten Peter Glasstetter hatten den Experten für Denkmalschutz und Altstadtsanierung Dr. Jochen Karl und die Innenarchitektin Julia Woisetschläger eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit der Sanierung und den Umbau oft denkmalgeschützter Häuser in den alten Ortskernen zu berichten.

Die Referenten Jochen Karl und Julia Woisetschläger mit den Veranstaltern Jutta Kneißel und Peter Glasstetter vor dem Historischen Rathaus in Schotten

Die Referenten Jochen Karl und Julia Woisetschläger mit den Veranstaltern Jutta Kneißel und Peter Glasstetter (v.r.) vor dem Historischen Rathaus in Schotten

Dr. Jochen Karl konzentrierte sich in seinem Referat auf die energetische Sanierung von Fachwerkhäusern. Das sei kein ganz einfaches Unterfangen. Eine fachliche Beratung sei sinnvoll. Er fragte, wie sich die Ziele Behaglichkeit, Energieeinsparung und gesunde Bausubstanz auf einen Nenner bringen lassen. So werde die „empfundene Behaglichkeit“ – bei den meisten Menschen liegt sie zwischen 20 und 22 Grad Celsius – nicht allein von der Temperatur der Raumluft bestimmt. Eine höhere Luftfeuchtigkeit ermögliche niedrigere Wohlfühl-Temperaturen. Bei einer regelmäßigen Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent entstehe bei Zimmertemperaturen Schimmel. Große Fensterflächen und starke Nachtabsenkungen verleiteten zu höheren Heiztemperaturen. Im Winter drohe die Gefahr nicht von außen sondern von innen. Es müsse bei der Sanierung ein Ausgleich zwischen Wärme und Feuchtigkeit gefunden werden, so Karl. „Die Feuchtigkeit muss aus dem Gebäude entweichen können. Dafür muss Taupunkt am Außenrand der Mauer liegen.“

Der Taupunkt muss an der Außenmauer liegen

Der Taupunkt muss an der Außenmauer liegen

Inwieweit das gelinge hänge von der Wärmeleitfähigkeit der verwendeten Dämmmaterialien und deren Schichtstärke ab. Daraus lasse sich ein Wärmedurchgangskoeffizient errechnen, um herauszufinden, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden können. Bei Baudenkmälern oder anderer schützenswerter Bausubstanz dürften die Vorgaben überschritten werden. An verschiedenen Exponaten wie Lehmziegel, Lehmdämmplatten oder Faserdämmplatten erläuterte Jochen Karl deren Vor- und Nachteile, welche Materialien sich für die Dämmung von Außenwänden eignen oder für den Wärmedämmputz. In zu sanierenden Fachwerkhäusern könne man eine Lehm-Innenschale auch mit einer Wandheizung kombinieren.

Die Innenarchitektin Julia Woisetschläger möchte die Menschen wieder in die Ortskerne zurückholen. Sie plädierte dafür, die alten für den Ort charakteristischen Gebäude nicht abzureißen sondern in ihrer Funktion neu zu denken. Wie das gelingen kann, zeigte sie am Beispiel einer typischen Wetterauer Hofreite – ihrem eigenen Elternhaus. Gewohnt wurde nach vorne an der relativ lauten Straße, während die Schreinerwerkstatt und die Ausstellungsräume im hinteren Bereich lagen. Ihre konzeptionelle Grundidee war, den Wohnbereich nach hinten in die ehemalige Scheune und die Werkstatt sowie den Ausstellungsraum zur Straße in das ursprüngliche Wohnhaus zu verlegen. Von den Schlaf- und Wohnräumen für zwei Familien blickt man jetzt auf einen großen Garten, abgeschirmt vom Straßenlärm. Auch optisch wurden die Häuser aufgewertet, indem alte Bausubstanz wieder vom Putz befreit wurde. Die ehemalige Hofeinfahrt erhielt ein neues Holztor. Ein Treppenaufgang  wurde als elegante Wendeltreppe nach außen verlegt. Der neue Ausstellungsraum mit großen Fenstern spricht jetzt unmittelbar mögliche Kunden an.

Der Wohnbereich wurde nach hinten verlegt

Der Wohnbereich wurde nach hinten in die ehemalige Scheune verlegt

Für die EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel sollte der Erhalt und die Sanierung unserer alten Ortskerne wieder eine höhere Priorität in den Kommunen eingeräumt werden. Beide Referate hätten gezeigt, dass dies möglich sei. Abschließend dankte sie dem scheidenden Klimaschutzmager Peter Glasstetter für die gute Zusammenarbeit in den letzten beiden Jahren und wünschte ihm alles Gute für seine neue Tätigkeit in Wiesbaden.

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Den Energieverbrauch senken

Energieverbrauch senken Bote 7.3

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Klimawandel in Hessen

In der Natur bereits zu beobachten – Jahreszyklen verschieben sich – Wetterextreme nehmen zu

In Bonn verhandelten die Staaten der Welt gerade über Maßnahmen, um den Klimawandel auf der Erde zu begrenzen. Inwieweit sind auch wir in Hessen davon betroffen? Lassen sich heute überhaupt Aussagen für eine so kleine Fläche im weltweiten Vergleich treffen, vielleicht sogar für Schotten? Dr. Andreas Hoy vom Fachzentrum für Klimawandel Hessen in Wiesbaden erforscht mit seinen Kollegen die Folgen des Klimawandels für unser Bundesland. Ihn hatten Dr. Jutta Kneißel, Vorsitzende des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten und Peter Glasstetter, Schottens Klimaschutzmanager eingeladen, um über die Klimaveränderungen und deren Folgen zu berichten.

Jutta Kneißel und Peter Glasstetter mit dem Referenten Andreas Hoy (Mitte)

Jutta Kneißel und Peter Glasstetter mit dem Referenten Andreas Hoy (Mitte)

„Was ist überhaupt Klima“, fragte der Experte gleich zu Beginn. „Inwieweit unterscheidet sich Klima vom Wetter?“ Klima sei die mindestens 30-jährige Langzeitbeobachtung von Wetter, dessen statistischer Mittelwert. Extrem heiße Sommer oder sehr kalte Winter machen noch kein Klima. Die habe es immer gegeben. Jetzt aber zeige der langfristige Trend von wärmeren Jahren eindeutig nach oben. So seien in Frankfurt – im Vergleich zu den mehr als 200 Jahren davor – seit 1988 fast alle Jahre zu warm gewesen. Die zehn wärmsten Jahre in der gesamten Zeit lägen nach der Jahrtausendwende.

Temperatur FrankfurtHeiße Sommer wie wir einen 2003 erlebten werden zunehmen, selbst bei Einhaltung des politisch angestrebten 2-Grad-Szenarios. Gelänge es nicht den Temperaturanstieg darüber hinaus zu begrenzen hätte das erhebliche Folgen für uns. Die Sommer würden trockener und die Winter nasser. Extreme Wetterphänomene wie lokale Starkregen vor allem im Sommer würden zunehmen. Folgen sind rapide Überschwemmungen an Bächen und kleinen Flüssen sowie Erdrutsche. Ein Beispiel dafür erlebten wir im letzten Jahr im Schottener Ortsteil Sichenhausen. Viele hessische Buchenwälder könnten absterben, weil sie trotz Starkregen in den heißen Sommern zu wenig Wasser hätten.

Niederschlagsänderungen Hessen

Zu beobachten sind die Klimaveränderungen inzwischen auch an der Verschiebung der phänologischen Jahreszeiten wie Beginn und Ende der Vegetationsruhe im Winter, dem Frühlingsanfang mit der Blüte der Haselnuss, dem Sommeranfang mit der Blüte des Schwarzen Holunder und dem Herbst mit der Blattverfärbung. Die Winter sind im Mittel bereits kürzer und milder geworden. Das führe zu einem verfrühten Blühzeitpunkt, wobei die Spätfrostgefahren bestehen bleiben. In diesem Jahr erlebten wir das bei der Apfelblüte, die in vielen Gegenden von Hessen durch den Frost im Mai zerstört wurde. Inzwischen beginne sie pro Dekade drei Tage früher.

Bildschirmfoto 2017-11-20 um 13.47.43

Diese längere Vegetationsperiode führe zur Zunahme von Schädlingen. So käme der Apfelwickler in heißen Sommern bereits auf zwei Generationen. Auch könnte bei einer weiteren Erwärmung der Winter der für bestimmte Pflanzen notwendige Kältereiz in manchen Jahren nicht mehr erfüllt werden. Viele Menschen leiden unter Pollenflug von blühenden Pflanzen. Die Haselblüte – ein Klimawandelfolgeindikator – beginne inzwischen im 30-jährigen Mittel Anfang März. Das sei ein halber Monat früher als noch vor 50 Jahren.

Pollenflug

Ein weiterer besorgniserregender Indikator sei der Rückgang des Arktischen Meereises seit 1979. Seitdem wird es mit Satelliten beobachtet. Das Gesamtvolumen schwankt erheblich zwischen dem größten Volumen am Ende des Winters im April und dem niedrigsten am Ende des Sommers im September um fast ein Drittel. 2016 erreichte das größte Volumen am Ende des Winters aber nur noch das Niveau des Sommers von 1979.

Rückgang Eis Arktis

Das Klima habe sich bereits geändert und werde sich weiter ändern, so das Fazit des Experten. Die Stärke hänge von den Treibhausgas-Emissionen der kommenden Jahrzehnte ab. Selbst wenn alle auf der Weltklimakonferenz in Paris zugesagten Emissionsminderungen eingehalten werden, bedeute das für Hessen einen mittleren Temperaturanstieg von ca. 3 Grad Celsius und in der Folge mehr heiße Tage über 30 Grad Celsius, die Verschiebung des Niederschlags vom Sommer in den Winter, mehr Starkregenereignisse, aber auch mehr Dürre im Sommer. Bei Einhaltung des 2-Grad-Zieles könnte ein Großteil der Änderungen vermieden werden.

Heiße Tage Hessen

Abschließend verwies Dr. Andreas Hoy auf die Projekte seines Fachzentrums. Sie arbeiteten an regionalen Klimamodellen für Hessen, die Aussagen über den Klimawandel auch für kleine Regionen zulassen. Der Deutsche Wetterdienst betreibt dafür hessenweit mehrere Dutzend meteorologische Messstationen, eine davon befindet in Schotten. Entwickelt würde eine Starkregen-Hinweiskarte, um den kommunalen Katastrophenschutz und Vorsorgeaktivitäten zu unterstützen. Sie enthielte Hinweise für die kommunale Flächennutzungsplanung, damit besonders gefährdete Stellen identifiziert und vorbeugend gesichert werden können. Es gäbe verschiedene Onlineportale des Fachzentrums Klimawandel Hessen, um sich über den allgemeinen Witterungsverlauf in Hessen sowie zu lokalen „Wetterextreme in Hessen“ (z.B. in Schotten) zu informieren.

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Klimawandel in Hessen – Schnee nur noch die Ausnahme

Wissenschaftler Andreas Hoy über die zukünftige Veränderungen im Vogelsberg

Interview Dr. Hoy

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Dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien

OVAG Vorstand Rolf Gnadl geht in Rente

Bilanz nach zehn Jahren

Am Ende des Jahres geht OVAG Vorstand Rolf Gnadl in Rente. Im Historischen Rathaus von Schotten bilanzierte er auf Einladung von Dr. Jutta Kneißel, Vorsitzende des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten und des Schottener Klimaschutzmanagers Peter Glasstetter seine zehnjährige Tätigkeit und was sich während dieser Zeit bei der OVAG in Sachen Energiewende getan hat. Nachfolger von Gnadl wird der Wetterauer Landrat Joachim Arnold (SPD), der zum 1. Januar an die Spitze des kommunalen Versorgungsunternehmens wechselt.

OVAG Vorstand Rolf Gnadl

OVAG Vorstand Rolf Gnadl

Zunächst interessierte die Zuhörer wie er als ehemaliger Kommunalpolitiker mit der komplexen Materie als Vorstand eines Energieversorgers zurecht gekommen sei. „Dazu musste ich mir einen eigenen Standpunkt zur Zukunft der OVAG erarbeiten. Wie viele Menschen habe auch ich früher nicht die Folgen unserer weitgehend fossilen und atomaren Energieerzeugung und deren Verbrauch bedacht. Strom kommt aus der Steckdose war meine Meinung. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 hat mich wachgerüttelt. Da müssen wir was ändern war danach mein politisches Ziel.“ Dazu gehöre die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke, die Rückführung der fossilen Energieträger und der Ausbau der erneuerbaren Energien. Mit dieser Absicht habe er den Job bei der OVAG angetreten. So lag der Anteil der fossilen und atomaren Energieträger 2008 zur Stromerzeugung bei der OVAG bei nahe 85 Prozent und der der erneuerbaren Energien bei etwa 15 Prozent. Das sei doch ein „vernünftiger Energiemix“ meinte man damals. Heute betrage der Anteil der erneuerbaren Energien im OVAG-Netz etwa 35 %, Atomstrom fließe seit der Abschaltung des AKW Biblis 2011 keiner mehr und der Kraftwerkstrom komme überwiegend vom Kohlekraftwerk Staudinger. Diese Entwicklung sei kein Selbstläufer gewesen, so Gnadl. Sowohl in der Unternehmensspitze als auch bei den Beschäftigten musste sich die Einstellung ändern. So sei er auch regelmäßig an den Arbeitsplätzen und auf den Baustellen unterwegs, um mit den Beschäftigten zu reden. Heute garantiere die OVAG eine zuverlässige und effiziente Versorgung der Menschen in unserer Region mit Strom, Wasser, Wärme und Services. Und ihren wirtschaftlichen Erfolg wolle sie auf der Grundlage sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte erreichen.

Die OVAG musste erhebliche Investitionen tätigen, um die Energiewende im eigenen Unternehmen umzusetzen. Zuallererst wurde in die Ausbildung und Qualifizierung ihrer 650 Mitarbeiter investiert. 380 arbeiten bei „ovag Netz AG“, davon ca. 230 in der Technik. So sei sehr viel Spezialwissen in Bereichen der Netz-, Zähler-, Kommunikations- und Informationstechnik sowie in Datenverarbeitung und Datensicherheit notwendig. Ein strategisches Ziel der OVAG sei die dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien.

Da der Strom physikalisch immer den kürzesten Weg zu seinen Verbrauchern nehme, reduziere das die Abhängigkeit von in überregionalen Netzen eingespeistem Atom- und Kohlestrom. Windkraft-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 244 MW seien an das Netz der OVAG angeschlossen. Hinzu kämen viele eigene und private Photovoltaik- und Biogas-Anlagen. Dazu sei es notwendig in die technische Infrastruktur von Transformatoren- und Schaltstationen, Umspannwerken, Leitungen, Verteilerschränke etc. zu investieren. Alle Anlagen würden systematisch vorbeugend gewartet, um Ausfälle zu vermeiden. Da der Strom aus erneuerbaren Energien nicht immer gleichmäßig fließe werde das ganze Netz rund um die Uhr überwacht, um es im Gleichgewicht zu halten. Diese Spezialisten sorgten dafür, dass die Versorgungssicherheit im Strombereich heute bei 99,98 Prozent liege. Das sei ein Spitzenwert in Deutschland. Gnadl betonte, dass auch Frauen in den technischen Berufen wie z.B. eine Elektromeisterin in der Leitstelle mit für dieses hohe Niveau sorgten.

Zum Schluss wurde Rolf Gnadl kritisch nach der Postenbesetzung der OVAG durch ehemalige Kommunalpolitiker gefragt. Die wollten sich doch mit einem Vorstandsposten nur ein hohes Gehalt sichern. Unbestreitbar, so Gnadl, zahle die OVAG ein gutes Gehalt auch wenn es deutlich unter den Einkommen von Vorständen in der Branche läge. Für ihn wie für die kommunalen Anteilseigner sei es jedoch wichtig Politiker mit in die Spitze eines kommunalen Energieversorgers zu berufen, da sie bodenständig und wertorientiert eingestellt seien. Sie übernähmen Verantwortung für die Region und für die Energiewende. „Das unterscheidet unser kommunales Unternehmen von den großen Energieerzeugern, die ihre Geschäftspolitik lange Zeit vor allem an ihren Profitzielen ausrichten.“

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Neue Qualität in der Heckenpflege

Rohstoff für das Nahwärmenetz der Stadt Schotten

„Die Heizung des Nahwärmenetz soll mit Holzhackschnitzeln betrieben werden“ beschlossen vor knapp drei Jahren die politischen Gremien der Stadt Schotten. „Nachdem diese Entscheidung gefallen war, fragten wir uns woher wir diesen Rohstoff beziehen sollen“ erläuterte der Leiter des Bauhofes Jochen Wöllner. „Sollen wir ihn einkaufen oder uns auf unsere eigenen Ressourcen besinnen.“ Inzwischen wird das Nahwärmenetz mit dem Schnittgut aus der landschaftlichen Heckenpflege beschickt, eine bisher bundesweit einzigartige Lösung. Der Verein erneuerbare Energien für Schotten (EES) und Schottens Klimaschutzmanager Peter Glasstetter hatten zu einer Informationsveranstaltung in den Vortragsraum des Vulkaneums eingeladen.

Klimaschutzmanager Peter Glasstetter –  EES-Vorsitzende Jutta Kneißel – Bauhofleiter Jochen Wöllner

Klimaschutzmanager Peter Glasstetter – EES-Vorsitzende Jutta Kneißel – Bauhofleiter Jochen Wöllner

„Ohne Heckenpflege würden die kommunalen Wege und Straßen allmählich zuwachsen. Bisher wurde diese Aufgabe vor allem von den Jagdgenossenschaften mehr oder weniger regelmäßig wahrgenommen“, so Wöllner. „Holzernte und Heckenpflege waren für uns Neuland. Sie wurden noch nie in Eigenregie durchgeführt.“ So musste zunächst geklärt werden, welche Bestände auf der Schottener Gemarkung nutzbar sind und wie lange sie reichen, wie die Logistik organisiert werden kann und welche zusätzlichen Investitionen notwendig sind.

Zunächst entwickelte der Bauhof mit modernster Hard- und Software ein Heckenkataster. In einer Google-Earth-Map sind die Bestände markiert. Sie reichen für 40 Jahre, um die jetzige Anlage zu betreiben ohne den Zuwachs zu berücksichtigen. Auf dieser Grundlage wurde ein systematischer Pflege- und Bewirtschaftungsplan erstellt. Als oberstes Ziel wird eine weiträumige und strukturreiche Agrarlandschaft mit einer Vielfalt an Lebensräumen z.B. für Vögel und andere Tiere unter Beachtung des Naturschutzes angestrebt. Gute und schwierig zu erreichende Strukturen ob an Bachläufen oder befestigten Wegen müssen gleichermaßen gepflegt werden. Regelmäßig sollen Zuwachs und zu erwartende Erträge erhoben werden. Nicht zu unterschätzen ist die Logistik: wo und durch wen soll das Material zu Holzhackschnitzeln verarbeitet und zu den Lagerflächen und später zur Heizung gebracht werden? Beim Hacken arbeitet der Bauhof mit einem externen Unternehmen zusammen weil das billiger ist als eine eigene Maschine anzuschaffen. Der Abtransport zum Lagerplatz erfolgt mit eigenem Gerät wie auch von dort zur Heizzentrale. Deren Bunker wurde hoch genug gebaut, damit das Material abgekippt und anschließend hinein geschoben werden kann. Bei den neuen Investitionen wurde auf Synergieeffekte geachtet. So lassen sich die neu angeschafften Fahrzeuge für die Winterdiensträumung, bei Hebebühnenarbeiten und diversen Transportaufgaben einsetzen.

Angeschlossen an das Nahwärmenetz sind das Vulkaneum, das Altenheim der Schottener Sozialen Dienste, der Kindergarten, das Freibad, die Stadtverwaltung, die Festhalle, das Jugendhaus, der Bauhof und ein privates Wohnhaus. „Freibad und Altenheim ermöglichen uns den Betrieb im Sommer“, so Bauhofleiter Wöllner. Wir hätten noch weitere Kapazitäten z.B. für das anliegende Hotel. Und Material genug, um in der Großgemeinde weitere Nahwärmenetze zu betreiben.

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Den „Stromfressern“ auf der Spur

Stromverbrauch halbieren – ein Beitrag für die Haushaltskasse und für die Energiewende

„Halbieren sie ihren Stromverbrauch. Ihre Haushaltskasse wird geschont und sie leisten zugleich einen wichtigen Beitrag für die Energiewende!“ Mit dieser Botschaft leitete der Energieberater Diplom-Ingenieur Roland Kolb seinen Vortrag im Historischen Rathaus ein. Zielführende Fragen dazu können sein: „Was verbraucht ein Haushalt an Strom? Welches sind die größten ‚Stromfresser’? Worauf sollte man bei der Anschaffung neuer Haushaltsgeräte achten?“ Die Stadt Schotten und der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) hatten zu dieser Informationsveranstaltung im Zusammenhang mit der Hessischen Energiespar-Aktion eingeladen.

EES-Vorsitzende Jutta Kneißel – Energieberater Roland Kolb – Schotten Klimaschutzmanager Peter Glasstetter

EES-Vorsitzende Jutta Kneißel – Energieberater Roland Kolb – Schotten Klimaschutzmanager Peter Glasstetter

Die Stromkosten für einen 3-Personen-Privathaushalt betragen etwa 1.000 Euro pro Jahr. Strom ist die teuerste Energie im Haus. Sein Preis steigt jährlich um ca. fünf Prozent. Der meiste Strom wird beim Kühlen, Gefrieren, Kochen, Spülen, Waschen, Trocknen und Fernsehen verbraucht. Stromfresser sind auch die Beleuchtung, der Computer mit Peripherie und die Umwälzpumpe. Geräte mit langer Laufzeit im Stand-by-Betrieb steigern den Stromverbrauch selbst bei geringer Leistung. Deshalb sollten Geräte nach Gebrauch komplett abgeschaltet werden. Hilfreich sind Steckdosenleisten als Zwischenschalter mit denen sich Stand-by-Verluste reduzieren lassen. LED-Lampen verbrauchen bei gleicher Lichtleistung nur noch 20 Prozent gegenüber Glühlampen bei 25 mal höherer Lebensdauer. Inzwischen sind sie sehr viel preiswerter geworden. Moderne Kühlschränke, Gefriertruhen, Waschmaschinen oder Wäschetrockner verbrauchen 50 Prozent weniger Strom aufgrund ihrer besseren Geräteausstattung gegenüber Altgeräten. Eine neue Heizungspumpe spart 80 Prozent ein. Solche Geräte sind zwar etwas teurer als weniger effiziente Neugeräte. Sie amortisieren sich aber bereits nach wenigen Jahren. Jedes neue Haushaltsgerät hat ein EU-Energielabel an dem sich der Verbraucher orientieren kann. Mit einem Strommessgerät – auszuleihen bei der Stadt Schotten – lässt sich der Stromverbrauch des Altgerätes messen und mit dem Neugerät vergleichen. Energieberater Kolb zeigte anhand von Modellrechnungen für verschiedene Geräte deren Einsparungspotenzial.

Geld lässt sich außerdem mit selbst erzeugtem Solarstrom sparen. Mit den inzwischen sehr preiswerten Solarmodulen, ihrer besseren Ausbeute – selbst bei Südost- oder Südwestausrichtung des Daches – kostet der selbst genutzte Strom aus der eigenen Solaranlage gegenüber dem Strom aus dem Netz oft nur noch ein Drittel. Bis zu 80 Prozent des eigenen Solarstroms lässt sich bereits heute selbst verbrauchen. Fallende Preise für Stromspeicher werden in den nächsten Jahren zu einer noch höheren Nutzung führen. Diese dezentrale Energieerzeugung leiste einen wichtigen Beitrag zur Energiewende betonte abschließend die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel. Schottens Klimaschutzmanager Peter Glasstetter verwies auf die kostenlose Energieberatung im Rathaus.

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Stadtradeln

Schotten auf dem Weg zur Fahrradstadt?

Haben wir das Fahrrad einem Vulkan zu verdanken? 1815 explodierte der Vulkan Tambora auf Indonesien und schleuderte ungeheure Mengen von Feinstaub in die Atmosphäre, die die Erde verdunkelten. 1816 ist bei uns ein Jahr ohne Sommer mit Missernten und Hungersnöten. Getreide- und Futtermittelpreise steigen. Millionen Pferde verhungern oder müssen notgeschlachtet werden. Damit verlieren unsere Vorfahren ihr wichtigstes Transportmittel. Vielleicht war das der Auslöser für eine große Innovation – das Fahrrad. Denn 1817 erfindet Karl Freiherr von Drais das Laufrad, Vorgänger unseres heutigen Fahrrades. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert wird das Fahrrad dank industrieller Massenproduktion zum dominierenden Individualverkehrsmittel. Mit dem Siegeszug des Autos wird es jedoch als Verkehrsmittel marginalisiert. Inzwischen nutzen aber wieder mehr Menschen das Rad in ihrer Freizeit, im Urlaub oder auf dem Arbeitsweg. Das Fahrrad ist wieder ein akzeptiertes Fortbewegungsmittel. Mittlerweile werden in Deutschland mehr Fahrräder als Autos verkauft. Radler vermeiden Staus in den Städten, leisten einen Beitrag für ein gutes Klima und fördern die eigene Gesundheit.

Dieser Trend soll durch das „Projekt Stadtradeln“ verstärkt werden. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) lud deshalb den für das Projekt verantwortlichen Klimaschutz-Manager von Schotten Peter Glasstetter in den Vortragssaal des Vulkaneums ein, um die Einzelheiten vorzustellen. Vom 14. August bis zum 3. September sollen die in Schotten geradelten Kilometer gezählt werden. Interessierte können sich auf der Kampagneseite www.stadtradeln.de/schotten anmelden und dort täglich oder wöchentlich ihre geradelten Kilometer eintragen – entweder als Einzelne oder als Gruppe. Alternativ gibt es Berichtsbögen bei Peter Glasstetter in der Stadtverwaltung. Letzte Nachträge sind bis zum 10. September möglich.

Nun ist Schotten mit 500 Höhenmetern nicht gerade ein Eldorado für den Alltagsradler. Hier könnte das E-Bike helfen. Dessen Verkaufszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Ältere Menschen, die jahrelang nicht mehr auf dem Drahtesel saßen, entdecken das Radeln für sich neu. Doch auch jüngere Menschen nutzen das E-Bike für den Arbeitsweg oder zum Einkaufen. Dirk Tredup aus Betzenrod hatte einige E-Bikes mitgebracht, die von mehreren Teilnehmern zu Probefahrten genutzt wurden. Die Akkus halten inzwischen bis zu 100 Kilometer. Außerdem stellte der Betzenröder die Möglichkeiten des Dienstradleasings vor. Wenn der Arbeitgeber mitmacht profitieren Arbeitnehmer von der Dienstradregelung und erwerben im Verlauf von drei Jahren günstig ein Rad ihrer Wahl.

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und Andreas Drinkuth lassen sich von Dirk Tredup über E-Bikes beraten

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und Andreas Drinkuth lassen sich von Dirk Tredup über E-Bikes beraten

Auf dem Weg Schottens zur „Fahrradstadt“ müsse man wohl noch einige dicke Bretter bohren meinte die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel zum Abschluss der Veranstaltung. Deshalb wäre es gut, wenn möglichst viele Bürger beim Stadtradeln mitmachen. Und vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere, sich ein E-Bike anzuschaffen um so besser die Höhenmeter im Vogelsberg zu bewältigen.

 

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