Kommentar von Sven Giegold zur Novellierung des EEG

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Geplante Novellierung des EEG gefährdet Klimaziele

Ende des Jahres läuft die Förderung von 20-Jahre alten Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen nach dem EEG aus dem Jahr 2000 aus. Weitere werden in den nächsten Jahren folgen. Was mit diesen noch funktionsfähigen Anlagen geschehen soll ist unklar. Erhalten ihre Betreiber weiterhin eine Einspeisevergütung – wenn ja, in welcher Höhe –, wenn sie wie bisher den Strom in das Stromnetz einspeisen? Oder dürfen sie ihre Anlagen auf Eigenverbrauch und Direktvermarktung umstellen? Lohnt sich da eine Speichernachrüstung? Wer übernimmt das Energiemanagement? Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) wollte diese und weitere Fragen mit Diplom-Ingenieur Achim Parbel vom Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft auf einer Veranstaltung im DGH Rainrod klären.

Referent Dipl.-Ing. Achim Parbel

Antworten dazu könnte die geplante Novellierung des Erneuerbare Energie Gesetz es (EEG) zum Jahresende liefern. Bundeswirtschaftsminister Altmaier redet von einem „Meilenstein“ für den Klimaschutz. Die erneuerbaren Energien sollen danach bis 2030 65 Prozent des deutschen Stromverbrauchs bereitstellen. Bis 2050 soll der gesamte Strom treibhausgasneutral erzeugt werden. Diese Ziele sind nach Meinung von Achim Parbel nicht ambitioniert genug. So habe der Sachverständigenrat für Umweltfragen berechnet, dass Deutschland bereits 2037 klimaneutral sein muss, um seinen Beitrag für das 1,75 Grad-Ziel einer maximalen Erderwärmung zu erreichen. Dazu müsse aber für die bisherigen Anlagen eine klare Option für den Weiterbetrieb eröffnet werden. Die einfachste Lösung wäre die Umstellung Eigenverbrauch kombiniert mit einer Direktvermarktung. Der überschüssige Strom könnte in das Stromnetz eingespeist und durch einen rückwärtslaufenden Zähler den Fremdbezug mindern. Da Stromspeicher immer günstiger würden, könnte man sie selbst bei kleinen Anlagen nachrüsten.  Leider werde diese einfachste Lösung mit der Gesetzesnovelle und ihren bürokratischen Hindernissen verunmöglicht, so Parbel.

Die beständen zum Beispiel darin, dass Anlagen ab einer Größe von mehr als 1 Kilowatt „intelligente Messsysteme“ nachrüsten sollen, um die Eispeiseleistung ferngesteuert zu regeln, sie also auch bei Netzüberlastung abzuschalten. Auf eigenverbrauchten Strom soll eine EEG-Abgabe von 40 Prozent der jeweils aktuellen EEG-Umlage ab der ersten Kilowattstunde bezahlt werden. Zwar könnten Betreiber von nicht mehr geförderten Photovoltaikanlagen bis zu einer Größe von 100 Kilowatt ihren Strom zum Börsendurchsschnittspreis verkaufen von aktuell etwa 3 Cent pro Kilowattstunde, sofern sie den gesamten Strom der Anlage einspeisen. Tun sie das nicht, werde eine Vertragsstrafe fällig. Diese Regelung soll jedoch nur bis 2027 gelten.  Eigentlich schreibe das EU-Recht vor, dass solarer Eigenverbrauch aus Photovoltaik-Anlagen bis 30 Kilowatt nicht mit Umlagen und Abgaben belastet werden darf, sondern vereinfacht werden muss. Das sei jedoch bisher nicht in deutsches Recht umgesetzt worden.

Für Achim Parbel gefährde der vorgelegte Entwurf des EEG die Klimaziele. Es fehle an einem „Masterplan“ für die Energiewende. Das Ausbauziel von 65 Prozent Erneuerbarer Energien bis 2030 sei zu gering, zumal es den Anstieg des Stromverbrauchs bei zunehmender Elektromobilität zu gering ansetze. Anstatt möglichst viele Akteure mit einfachen Lösungen für den Eigenverbrauch und Direktvermarktung mit ins Boot zu holen würden bürokratische Hürden aufgebaut. Die Energiewende könne für ihn nur gelingen, wenn die Stromerzeugung weiter dezentralisiert und damit demokratisiert werde. Das allerdings gefährde die noch immer vorhandene Marktstellung der vier großen Stromanbieter. Immerhin sei deren Anteil am deutschen Strommarkt in den letzten 20 Jahren von damals über 80 Prozent auf inzwischen unter 50 Prozent abgesackt, während die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien von damals 5 Prozent auf über 40 Prozent gestiegen ist.

Gegenwärtig wird das EEG im Bundestag beraten. Kritik gibt es nicht nur von den Grünen. Auch der Bundesrat fordert Nachbesserungen und selbst die SPD rückt in Teilen vom Entwurf des Wirtschaftsministers ab. Zum Abschluss betonte die Vorsitzende des EES Dr. Jutta Kneißel, dass sich auch der Verein an den Protesten gegen dieses EEG beteiligen wird.

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Ein erfolgreiches Jahr 2019 des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten e.V.

In der Mitgliederversammlung des Vereins zog die Vorsitzende Jutta Kneißel eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Die Veranstaltungen des Vereins boten ein breites Spektrum, angefangen von Informationen zu Holzfeuerungsanlagen und zu Solarstrom vom Balkon mit einfachen Solarmodulen bis hin zur Biologie und Lebensweise einheimischer Fledermäuse – vor allem in Hinblick auf ihre Gefährdung durch Windkraftanlagen.

Gemeinsam mit der Mittelhessischen Energie Genossenschaft wurde der Film „Autark – Leben mit der Energiewende 4“ gezeigt. Ein im Film gezeigtes Projekt – Erstellung und Nutzung eines Biomeilers – wurde inzwischen von einem Mitglied des Vereins aufgegriffen und nachgebaut.

Besichtigt wurde die neue Pelletheizung im DGH Sichenhausen mit der die Stadt Schotten einen weiteren Beitrag zur energetischen Ertüchtigung der DGH`s geleistet hat.

Auf Initiative des Vereins beteiligte sich die Stadt Schotten wieder an der bundesweiten Initiative „Stadtradeln für ein gutes Klima“. Leider war die Resonanz in Schotten sehr unbefriedigend, sodass hier für 2020 kein neues Angebot erfolgte.

In den Ferienprojektwochen der Stadt Schotten für Kinder wurden 1919 kleine Solar-Karussells gebastelt. In diesem Jahr waren es Solarmännchen.

Bedauert wurde, dass der Vertrag mit dem Klimaschutzmanager der Städte Schotten und Nidda in Schotten nicht verlängert wurde, so dass hier – anders als in Nidda – ein kompetenter Ansprechpartner in der Stadtverwaltung zu dem so wichtigen Thema der Energiewende fehlt. Erfolgreiche Beispiele aus anderen Gemeinden zeigen, dass die hierfür anteilig zu zahlenden Gehaltskosten durch das Akquirieren von geförderten Projekten zur Energieeinsparung vielfach kompensiert werden können.

Demonstrations-Anlage für erneuerbare Energien im Vogelpark Schotten

Besonders froh zeigte sich die Vorsitzende, dass die vor 4 Jahren begonnene Demonstrationsanlage zu erneuerbaren Energien im Vogelpark Schotten in diesem Jahr endlich fertig gestellt werden konnte. Hierfür erhielt der Verein nicht nur erhebliche öffentliche Mittel aus dem Leader Programm sondern auch eine Photovoltaikanlage von der OVAG, die von dem Vereinsmitglied Ottmar Herget  kostenlos installiert wurde. Im kommenden Jahr wird eine offizielle Einweihung gefeiert, um sich bei allen Beteiligten nochmals zu bedanken.

Der Kassierer Gerold Hirth zeigte sich mit der Kassenlage zufrieden. Der Verein verfügt über hinreichend Mittel, um auch in Zukunft Informationsveranstaltungen und kleine Projekte finanzieren zu können.

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Und das Wasser fließt nach Frankfurt …

Quelle: Kreis Anzeiger 4.7.2020

 

 

Quelle: Kreis Anzeiger 2.7.2020

 

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GLS – die weltweit erste Ökobank

Anfang der 1970er Jahren hatten Demeter Höfe und Waldorf Schulen Schwierigkeiten bei normalen Geschäftsbanken Kredite zu erhalten. Den traditionellen Banken war das Risiko zu groß, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden würden. So gründeten Anthroposophen 1974 die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS Bank). Aus kleinen Anfängen ist mittlerweile ein großes und erfolgreiches Institut geworden wie Jens Kaufmann, Mitarbeiter der Bank jetzt auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten berichtete.

Referent Jens Kaufmann mit der Vereinsvorsitzenden Jutta Kneißel

Heute finanziert die GLS Bank mit dem Geld ihrer Kunden „nur solche Unternehmen und Projekte, die Entwicklungschancen für unsere und für zukünftige Generationen erhalten oder schaffen.“ Die Bank folgt dem Motto, dass Geld für die Menschen da sei. Die Kreditvergabe erfolgt grundsätzlich nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Energie, Wohnen, Bildung, Ernährung, Soziales und nachhaltige Wirtschaft. Unter den Kunden der Bank gibt es solche, die Energie produzieren, konsumieren oder handeln, es gibt Dienstleister und Anlagenhersteller. Die Bank begreift die Vielfalt ihrer Kunden als Riesenchance und sucht Wege, diese sozial zu vernetzen. So hat sie die Plattform Futopolis eingerichtet für Menschen, die biologisch erzeugte Lebensmittel suchen, eine freie Schule gründen wollen oder auch nur ein Lastenfahrrad leihen wollen.

Seit mehr als 30 Jahren finanziert die Bank den Ausbau erneuerbarer Energien. Sie verleiht Geld für intelligente Stromnetze, Energiespeicher und Steuerungssysteme zur dezentralen Energieversorgung. Sie unterstützt Projekte gegen Mietenwucher und Bodenspekulation. Jens Kaufmann erläuterte dieses Konzept an mehreren Beispielen aus der jüngsten Zeit. So finanziert die GLS in der Niddastraße in Frankfurt ein Mietshäusersyndikats-Projekt. Mieter taten sich zusammen, gründeten eine Gesellschaft und erwarben die zum Verkauf stehende Mietshäuser. Heute wohnen sie in Wohnungen zu akzeptablen Mietpreisen. Von den über 130 bestehenden Mietshäusersyndikats-Projekten in Deutschland hat die GLS Bank mehr als die Hälfte finanziert. Eine weitere Initiative der Bank ist die Gründung der BioBoden-Genossenschaft. Sie konnte inzwischen mehr als 30 Mio. € sammeln und kaufte damit über 3.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen, die an Biobauern verpachtet werden.

Jeder kann Mitglied der Genossenschaftsbank werden und Anteile zeichnen. Wenn jemand ein Konto einrichtet, kann der Kunde auswählen, wofür sein Geld bevorzugt verwendet werden soll. Über den Einlagensicherungsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken sind alle Anlagen zusätzlich abgesichert. Über die Kreditvergaben herrscht absolute Transparenz. Jeder neue Kredit ist in der vierteljährlich erscheinenden Kundenzeitschrift aufgelistet.

„Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.“ Mit diesem Zitat von W. E. Barkhoff, einem der Gründer der Bank, endete der sehr informative Vortragsabend.

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Demonstrationsanlage Erneuerbare Energien im Vogelpark Schotten

Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten erhielt 2017 eine größere Spende. Was tun? Nach ausführlichen Diskussionen im Vorstand des Vereins entschieden wir uns für den Bau einer Demonstrationsanlage für erneuerbare Energien im Vogelpark Schotten. Geplant waren ein Kleinwindrad, eine Photovoltaikanlage und mehrere Stationen für Experimente. Der Vogelpark hat im Jahr fast 100.000 Besucher, darunter viele Kinder. Wir hoffen, sie so an den Gedanken einer nachhaltigen Energieversorgung heranzuführen.

Nachdem der Vogelpark mit unserem Vorhaben einverstanden war und wir eine Kostenkalkulation aufstellten, war schnell klar, dass unsere Spende nicht ausreichen würde, um das Vorhaben zu realisieren. Wir haben deshalb einen Förderantrag im LEADER Programm gestellt, der auch genehmigt wurde.

Als erstes erwarben wir ein Kleinwindrad, eine WESpe, die sich aufgrund ihrer hübschen Bemalung sehr gut in den Vogelpark einfügt. Neben der Anlage wurde ein Gerätehaus errichtet, auf dessen Dach demnächst die Photovoltaik Anlage angebracht wird. Diese wurde von der OVAG gesponsert.

Die Experimentierstationen werden folgen, wenn wir wieder genügend Geld haben.

Windrad WESpe im Vogelpark Schotten

Technische Daten:

Windkraftanlage WESpe mit 5 KW Nennleistung und einer Nabenhöhe von 12 Metern. Die Anlage ist extrem geräusch- und wartungsarm.

Photovoltaik Anlage: 8 Module je 136 KWp, insgesamt 1.088 KWp.

LEADER Programm

Das LEADER Programm wird u.a. finanziert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete http://ec.europa.eu/agriculture/index_de.htm

… sowie durch das Land Hessen im Rahmen des Entwicklungsplans für den ländlichen Raum (EPLR) des Landes Hessen 2014-2020 http://www.eler.hessen.de

 

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EES besucht „nachhaltiges Weingut“

„Wir sind ein nachhaltiges aber kein ökologisches Weingut“, betonte Winzer Tobias Jung. „Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und soziales Engagement gehören für uns zusammen. Das ist umfassender als ein BIOsiegel.“ Nachhaltigkeit müsse den gesamten Kreislauf umfassen: die Weinberge, die Ernte, die Weinproduktion, die Mitarbeiter bis hin zu den Kunden. Aber sie müsse wirtschaftlich sein. Das Weingut wurde als „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ ausgezeichnet. Bei ihnen hätten auch Menschen eine Chance, die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben. Der Winzer bewirtschaftet mit 15 fest angestellten Mitarbeitern 60 Hektar Rebfläche.

Mit einem so umfassenden Anspruch hatten die 12 Mitglieder des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) nicht gerechnet, als sie von dem „nachhaltigen Weingut“ hörten und sich auf den Weg nach Albig in Rheinland-Pfalz machten.

Bei einer Weinprobe erläuterte Tobias Jung seine Philosophie und gelebte Praxis. Ihr Ziel sei die nachhaltige Produktion von hochwertigen feinen Weinen in einer ihren Böden angepassten Vielfältigkeit. Auf ihren Rebflächen wüchsen 21 Rebsorten aus denen jedes Jahr ungefähr 60 verschiedene Weine und Sekte gekeltert würden. Vom Weinberg bis zur Weinflasche lägen alle Arbeiten in ihrer Hand. Die Weinberge gehörten der Familie zum Teil seit über 200 Jahren. Mittlerweile verzichteten sie vollständig auf Kupfer und Insektizide im Pflanzenschutz. Sie experimentierten mit Gräsersorten, die auch unter den Reben wachsen und Schädlinge fernhalten. Sechs Hektar ihrer Weinberge würden im Wechsel stillgelegt, damit sich der Boden regenerieren können. Im Weinberg wachse die Qualität des Weines. Veredelt werde der Wein aber im Keller.

Unsere Besuchergruppe im Weinkeller

In den letzten Jahren hätten sie 30 Prozent Energie im Betrieb durch innovative Lösungen eingespart. Davon konnte sich unsere Besuchergruppe am nächsten Morgen beim Rundgang durch den Weinkeller überzeugen. Voraussetzung für eine gute Weinqualität sei die behutsame Pressung der Trauben mit nur noch maximal zwei Bar Druck. Früher war der Pressendruck bis zu sechsmal so hoch. Auch darin wurde investiert. Einzigartig ist der Röhrenbündelwärmetauscher in Kombination mit einem Kühlturm und einem großen Pufferspeicher. Diese Technologie ermögliche es, die Energie, die bei der Rotweinherstellung entsteht, zu verschieben, um sie zur Gärung des weißen Traubensaftes zu nutzen. Während dieses Prozesses konnten bis zu 70 Prozent Energie eingespart werden. Das erfordere aber einen erheblichen logistischen Aufwand. Da die Prozesse parallel verlaufen, müssten die Ernteabläufe der verschiedenen Weißwein- und Rotweinsorten eng aufeinander abgestimmt werden. Der richtige Zeitpunkt der Traubenernte sei hier von großer Bedeutung. Dafür ständen eine tatkräftige Handlesemannschaft und ein Traubenvollernter zur Verfügung. In diesem Jahr hätten sie die gesamte Weinlese in den letzten drei Septemberwochen abgewickelt. Beeindruckend waren auch die Edelstahltanks in denen 1,5 Millionen Liter Wein eingelagert werden können. Daneben gibt es bis zu hundert Jahre alte Holzfässer in denen der Rotwein ausgebaut wird. Die letzte Station war die Abfüllanlage mit einer Kapazität von 15.000 Leichtglasflaschen pro Tag. Das spare Energie in der Herstellung und den Transport der Weinflaschen.

Tobias Jung bezeichnet sich selbst als einen Tüftler, der ständig nach Verbesserungen sucht. Inzwischen würden im gesamten Betrieb LED-Leuchten eingesetzt. Als sie 2010 ihr neues Wohngebäude als Niedrigenergiehaus mit einem Pufferspeicher von 8.300 Litern neu bauten, war dies eine sehr vorausschauende Investition. Der Pufferspeicher werde mit Sonnenenergie über einen 40m² großen Kollektor auf dem Dach des Hauses beheizt und versorge so im Winter – in Kombination mit einem Grundofen – das Haus mit Wärmeenergie. Nur am Rande erwähnte er sein Engagement für die Windenergie in den 1990er Jahren. Damals gehörte er mit dem Bau eines eigenen Windrades zu den Pionieren in Rheinland-Pfalz.

Die Vorsitzende des EES Jutta Kneißel zeigte sich sehr beeindruckt von der Kreativität und dem Engagement des Weingutteams. Sie dankte Tobias Jung für die umfassenden Informationen.

Weingut Jung & Knobloch GbR, Langgasse 46 55234 Albig

info@weingut-jung-knobloch.de

Telefon 06731 6661

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Die geheimnisvolle Welt der Fledermäuse

Mit dem Logo „Fledermäuse brauchen Freunde“ auf seinem T-Shirt wirbt Thomas Steinke für die Unterstützung der gefährdeten Tiere. Der pensionierte Förster beschäftigt sich mit ihnen seit mehr als 25 Jahren. Auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien und des Klimaschutzmanagers der Stadt Schotten Richard Lang war er in das Historische Rathaus gekommen, um über unsere heimischen Fledermäuse, ihre Lebensweise und den Einfluss der Menschen auf ihren Lebensraum zu referieren. Fledermäuse seien „heimliche Lebewesen“, weil sie Nachttiere sind, so Steinke. Den Menschen im Mittelalter waren sie unheimlich und symbolisierten das Böse in Teufelsgestalt. Anders war es in China, wo sie für ein langes Leben, Reichtum, Gesundheit, Glück und einen „leichten Tod“ stehen.

Referent Thomas Steinke mit der EES-Vorsitzenden Jutta Kneißel und dem Schottener Klimamanager Richard Lang

Fledermäuse gehören erdgeschichtlich mit zu den ältesten Säugetieren. Und seien die zweitgrößte Säugetiergruppe nach den Nagetieren. In der Grube Messel bei Darmstadt wurde ein Fossil mit einem geschätzten Alter von 47 Millionen Jahren gefunden. Weltweit gibt es etwa1.100 Arten, davon in Deutschland 25 und in Hessen 19. Im Vogelsberg sind 17 Arten nachgewiesen wie die Zwergfledermaus, das Graue Langohr, die Wasserfledermaus oder die Bechsteinfledermaus. Die archaischen Lebewesen hätten sich in ihrer Evolutiosgeschichte die Nacht als relativ „konkurrenzfreien Raum“ mit wenigen natürlichen Feinden erobert. Sie seien Insektenjäger, die sie nachts jagten. Dabei orientieren sie sich mit Ultraschall, den sie im Durchschnitt 20-mal pro Sekunde über den Mund ausstoßen. Über das Echo erkunden sie die Gegend und erkennen selbst die Art ihrer Beutetiere, die sie dann mit ihrer „Flughand“ – die wir als Flügel ansehen – fangen. Sie ist ihr Fangköcher.

Fledermäuse werden als „Einzelkinder“ im Frühsommer in einem Wochenstubenquartier geboren und dort von ihren Müttern im Sommer aufgezogen. In manchen Quartieren gibt es bis zu 1000Mütter, die sich mit ihren Krallen an Mauervorsprüngen, unverputzten Hauswänden oder im Balkenbereich der Decke kopfüber aufgehängt haben. Manchmal  hängen sie so dicht zusammen, dass sie als Einzeltiere kaum zu unterscheiden sind. Die Mütter der Zwergfledermäuse z.B. müssen jede Nacht bis zu 3.000 Beutetiere fangen – das entspricht mehr als der Hälfte ihres Körpergewichtes – um genügend Muttermilch für ihr Junges zu produzieren. Bei der Rückkehr erkennen sie es am Geruch und an der Stimme. Nur wenige Fledermausartengebären auch mal Zwillinge. Die Aufzucht der jungen Fledermäuse dauert nur 6 – 8 Wochen. Ab August beginnt die Zeit der Paarung in einem Paarungszwischenquartier. Die Weibchen paaren sich oft mit mehreren Männchen. Einmalig in der Tierwelt ist das „Konservieren“ der Spermien über den Winter in der Gebärmutter des Weibchens. Das Ei wird erst nach dem Winterschlaf im Frühjahr befruchtet. Die Tragzeit dauert etwa 9 Wochen. Im Herbst nach der Aufzucht der Jungen fressen sich die Fledermäuse einen Fettvorrat an bevor sie in einem Winterquartier in eine Winterschlaflethargie fallen. Während ihr Normalpuls 500 bis 1000 Schläge pro Minute beträgt, sinkt er dann auf 40 Schläge, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Deshalb sollten Fledermäuse im Winter nicht gestört werden. Fledermäuse können bis zu 25 Jahre alt werden.

Lektüre zur geheimnisvollen Welt der Fledermäuse

Natürliche Feinde der Fledermäuse sind Marder, Katzen, Greifvögel oder Waschbären. Problematischer seien jedoch die vom Menschen verursachten Gefährdungen. Das wichtigste Problem sei der Nahrungsmangel durch den drastischen Rückgang von Insekten. „Wer vor 40 Jahren mit dem Auto von Schotten nach Friedberg fuhr, hatte eine mit toten Insekten verschmierte Frontscheibe. Heute bleibt sie klar“, so Steinke. Die Ursache seidie extreme Intensivierung der Landwirtschaft, z.B. mit Monokulturen undgroßflächigem Maisanbauund damit eine Verarmung der Landschaft. Der Autoverkehr, schnellfahrende Züge in Tunneln mit heftigen Druckschwankungen setzten den Fledermäusen ebenso zu wie Windkraftanlagen besonders in Waldgebieten. Es gäbe dazu eindeutige seriöse Studien. Was Fledermäuse und letztlich auch die Menschheit am meisten gefährden sei jedoch das Artensterben, wie wir es in der Nahrungskette der Fledermäuse erleben, die Überdüngung unserer Erdeund der Klimawandel.  Und zwar in dieser Reihenfolge, betonte Thomas Steinke. Das hätte gerade eine wissenschaftliche Studie ergeben. „Was können wir selber tun?“ fragte er abschließend. Unseren „Ökologischen Fußabdruck“ drastisch verkleinern, Blumenwiesen anlegen und Quartiere bereitstellen. Fledermausfreundliche Häuser würden ausgezeichnet.

Frankfurter Rundschau vom 24. und 25. August 2019

 

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Solarstrom vom Balkon

„Wir befinden uns weltweit in einer Revolution. Unser Energiesystem wird umgekrempelt. Die Monopole auf die Stromerzeugung und Stromvermarktung werden zusammenbrechen.“ Das ist jedenfalls die Prognose von Dipl.-Ing. Achim Parbel vom Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG). Auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) und des Klimaschutzmanagers der Stadt Schotten Richard Lang referierte er im Dorfgemeinschaftshaus von Rainrod über die „Energiewende von unten“.

Schottens Klimaschutzmanager Richard Lang, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und der MiEG Vorstand Achim Parbel (von links)

Bisher hätten die monopolistischen Stromerzeuger vor allem Tarife für den zentral erzeugten Strom verkauft. Das ändere sich gerade, weil immer mehr Strom dezentral, nahe beim Verbraucher erzeugt werde. Eine Möglichkeit dafür bieten die inzwischen sehr preiswerten Balkon-Photovoltaik-Module. Wohnungsmieter und nicht nur Hauseigentümer können damit ihre Energiewende selber vorantreiben. Es ist die Stromerzeugung für Jedermann. Bis zu 600 Watt könnten damit pro Stromkreis und Sicherungsautomaten erzeugt werden. Damit ließe sich die Grundlast von Kühlschrank, Gefriertruhe und Stand-By-Geräten in einem 3-Personen-Haushalt abdecken.

Mit diesen Modulen komme der Strom nicht mehr aus sondern in die Steckdose. Der Modulstrom kann über eine Schuko Steckdose in den häuslichen Stromkreislauf eingespeist und dort verbraucht werden. Die Balkon-PV-Module haben einen integrierten VDE-Norm-gerechten Mini-Wechselrichter. Der Modulrahmen ist gleichzeitig der Montagerahmen und lässt sich mit einer einfachen Halterung z.B. auf dem Balkon montieren. Das könnten auch Laien. „Durch die Praxiserfahrungen von über 200.000 steckbaren Solargeräten ist auch der Anschluss mit Schuko Stecker mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik in Einklang zu bringen“, heißt es dazu in der DIN VDE Richtlinie. Wer seiner Elektroinstallation nicht traut, lässt seine Stromkreise durch einen Elektroinstallateur prüfen und der schreibt eine Bescheinigung für den Netzbetreiber. Auf jeden Fall macht es Sinn, sich mit einem erfahrenen Partner wie z.B. der MiEG oder in der monatlichen Energie-Sprechstunde bei Herrn Kolb in der Stadtverwaltung vorher zu beraten.

Allerdings müssten sich die Kleinstromerzeuger beim regionalen Energieerzeuger wie der OVAG anmelden. Bei der OVAG gäbe es auch die entsprechenden Formulare. Sie müssten das auch von Laien seit dem 27. April 2019 akzeptieren. In den Niederlanden und in Belgien ist das nicht notwendig. Schließlich könne man den Tiefkühlschrank oder den elektrischen Rasenmäher ja auch ohne solchen bürokratischen Aufwand betreiben, sofern sie den anerkannten technischen Richtlinien entsprächen. Das scheinen auch bei uns viele Stromselbsterzeuger so zu sehen. Von den inzwischen über 20.000 installierten Modulen in Deutschland seien nur ein Bruchteil angemeldet.

Manche „Experten“ halten diese Vision für eine Utopie. Doch da hält es Achim Parbel mit Mahatma Gandhi: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“. Das Lachen wird weniger. Aber die großen Stromerzeuger haben den Kampf noch nicht aufgegeben. Mit der umweltverschmutzenden Braunkohleverstromung lässt sich noch immer gut Geld verdienen. Schauen wir uns jedoch in der Welt um, so sind die Kleinstromerzeuger in vielen Gegenden bereits auf der Gewinnerseite. Und zwar überall dort wo es keine zentrale Stromerzeugung mit riesigen Stromtrassen gibt. In der Mongolei steht an jedem Nomadenzelt eine Solarmodul.

Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierte Schottens Klimaschutzmanager Richard Lang das hessische Solarkataster. Es ist ein kostenloses Werkzeug, um standortgenau die Eignung von Dach- und Freiflächen für Solarinstallationen zu prüfen. Er demonstrierte das an den Dachflächen des DGH Rainrod. Außerdem lässt sich mit dem Solarkataster eine Ertrags- und Wirtschaftlichkeit-Berechnung durchführen.   https://www.energieland.hessen.de/solar-kataster

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Auftakt zum Stadtradeln in Schotten

Schottener Radelgruppe im Kurpark von Bad Salzhausen

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