Dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien

OVAG Vorstand Rolf Gnadl geht in Rente

Bilanz nach zehn Jahren

Am Ende des Jahres geht OVAG Vorstand Rolf Gnadl in Rente. Im Historischen Rathaus von Schotten bilanzierte er auf Einladung von Dr. Jutta Kneißel, Vorsitzende des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten und des Schottener Klimaschutzmanagers Peter Glasstetter seine zehnjährige Tätigkeit und was sich während dieser Zeit bei der OVAG in Sachen Energiewende getan hat. Nachfolger von Gnadl wird der Wetterauer Landrat Joachim Arnold (SPD), der zum 1. Januar an die Spitze des kommunalen Versorgungsunternehmens wechselt.

OVAG Vorstand Rolf Gnadl

OVAG Vorstand Rolf Gnadl

Zunächst interessierte die Zuhörer wie er als ehemaliger Kommunalpolitiker mit der komplexen Materie als Vorstand eines Energieversorgers zurecht gekommen sei. „Dazu musste ich mir einen eigenen Standpunkt zur Zukunft der OVAG erarbeiten. Wie viele Menschen habe auch ich früher nicht die Folgen unserer weitgehend fossilen und atomaren Energieerzeugung und deren Verbrauch bedacht. Strom kommt aus der Steckdose war meine Meinung. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 hat mich wachgerüttelt. Da müssen wir was ändern war danach mein politisches Ziel.“ Dazu gehöre die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke, die Rückführung der fossilen Energieträger und der Ausbau der erneuerbaren Energien. Mit dieser Absicht habe er den Job bei der OVAG angetreten. So lag der Anteil der fossilen und atomaren Energieträger 2008 zur Stromerzeugung bei der OVAG bei nahe 85 Prozent und der der erneuerbaren Energien bei etwa 15 Prozent. Das sei doch ein „vernünftiger Energiemix“ meinte man damals. Heute betrage der Anteil der erneuerbaren Energien im OVAG-Netz etwa 35 %, Atomstrom fließe seit der Abschaltung des AKW Biblis 2011 keiner mehr und der Kraftwerkstrom komme überwiegend vom Kohlekraftwerk Staudinger. Diese Entwicklung sei kein Selbstläufer gewesen, so Gnadl. Sowohl in der Unternehmensspitze als auch bei den Beschäftigten musste sich die Einstellung ändern. So sei er auch regelmäßig an den Arbeitsplätzen und auf den Baustellen unterwegs, um mit den Beschäftigten zu reden. Heute garantiere die OVAG eine zuverlässige und effiziente Versorgung der Menschen in unserer Region mit Strom, Wasser, Wärme und Services. Und ihren wirtschaftlichen Erfolg wolle sie auf der Grundlage sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte erreichen.

Die OVAG musste erhebliche Investitionen tätigen, um die Energiewende im eigenen Unternehmen umzusetzen. Zuallererst wurde in die Ausbildung und Qualifizierung ihrer 650 Mitarbeiter investiert. 380 arbeiten bei „ovag Netz AG“, davon ca. 230 in der Technik. So sei sehr viel Spezialwissen in Bereichen der Netz-, Zähler-, Kommunikations- und Informationstechnik sowie in Datenverarbeitung und Datensicherheit notwendig. Ein strategisches Ziel der OVAG sei die dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien.

Da der Strom physikalisch immer den kürzesten Weg zu seinen Verbrauchern nehme, reduziere das die Abhängigkeit von in überregionalen Netzen eingespeistem Atom- und Kohlestrom. Windkraft-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 244 MW seien an das Netz der OVAG angeschlossen. Hinzu kämen viele eigene und private Photovoltaik- und Biogas-Anlagen. Dazu sei es notwendig in die technische Infrastruktur von Transformatoren- und Schaltstationen, Umspannwerken, Leitungen, Verteilerschränke etc. zu investieren. Alle Anlagen würden systematisch vorbeugend gewartet, um Ausfälle zu vermeiden. Da der Strom aus erneuerbaren Energien nicht immer gleichmäßig fließe werde das ganze Netz rund um die Uhr überwacht, um es im Gleichgewicht zu halten. Diese Spezialisten sorgten dafür, dass die Versorgungssicherheit im Strombereich heute bei 99,98 Prozent liege. Das sei ein Spitzenwert in Deutschland. Gnadl betonte, dass auch Frauen in den technischen Berufen wie z.B. eine Elektromeisterin in der Leitstelle mit für dieses hohe Niveau sorgten.

Zum Schluss wurde Rolf Gnadl kritisch nach der Postenbesetzung der OVAG durch ehemalige Kommunalpolitiker gefragt. Die wollten sich doch mit einem Vorstandsposten nur ein hohes Gehalt sichern. Unbestreitbar, so Gnadl, zahle die OVAG ein gutes Gehalt auch wenn es deutlich unter den Einkommen von Vorständen in der Branche läge. Für ihn wie für die kommunalen Anteilseigner sei es jedoch wichtig Politiker mit in die Spitze eines kommunalen Energieversorgers zu berufen, da sie bodenständig und wertorientiert eingestellt seien. Sie übernähmen Verantwortung für die Region und für die Energiewende. „Das unterscheidet unser kommunales Unternehmen von den großen Energieerzeugern, die ihre Geschäftspolitik lange Zeit vor allem an ihren Profitzielen ausrichten.“

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