Unterwegs mit Strom – Alles Wissenswerte zu Elektromobilität

Elektromobilität ist weit mehr als nur der Austausch des Antriebsmotors. Zu diesem Fazit kamen die zahlreichen Besucher einer Informationsveranstaltung mit Diplom Ingenieur Udo Berger von der OVAG, die auf Einladung der Stadt Schotten und des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten stattfand.

Referent Udo Berger (re) mit der EES-Vorsitzenden Jutta Kneißel und Schottens Klimaschutz-Manager Richard Lang

Die ersten Elektrofahrzeuge gab es schon im 19. Jahrhundert. Allerdings war die Technik noch nicht ausgereift, so dass der Verbrennungsmotor stattdessen seinen Siegeszug antrat. Erst seit etwa 20 Jahren ist die Elektromobilität auf dem Vormarsch. Dabei unterscheidet man zwischen Hybridfahrzeugen, die sowohl mit Strom als auch mit Benzin fahren. Die Batterie wird nicht von außen geladen sondern lediglich durch das Bremsen. Diese Technik wird zunehmend durch reine Elektrofahrzeuge abgelöst, deren Batterie im Stromnetz aufgeladen wird.

Ein immer wieder angesprochenes Problem ist die Reichweite. Hier präsentierte Udo Berger zunächst eine überraschende Erkenntnis. Die Reichweite, die aus einer Kilowattstunde Energie gewonnen wird, ist beim Elektroauto etwa 5-mal so groß wie bei einem Verbrennungsmotor. Allerdings kann dieser mehr Energie speichern. Bei einer Batterie entstehen beim Laden immer Verluste von etwa 30 Prozent. Dennoch erreichen moderne Elektroautos heute Reichweiten zwischen 200 und 300 km. Die Reichweite hängt immer auch vom Fahrstil ab. Fährt man vorausschauend, gleichmäßig  und ohne starke Beschleunigung kann die Reichweite deutlich gesteigert werden.  Der mit am meisten gekaufte Renault Zoe kostet etwas über 21.000 € und liegt damit in einem mittleren Bereich. Seine Reichweite liegt bei 300 km. Super ist natürlich der Tesla, der 600 km Reichweite erreicht. Seine Anschaffungskosten betragen aber auch stolze 70.000 €.

Auch wenn die Anschaffungskosten eines Elektroautos zunächst höher sind, kann sich das durchaus lohnen. Die Betriebskosten sind deutlich geringer als bei einem Verbrennungsfahrzeug, da die Energiekosten günstiger sind. Außerdem gibt es weniger Verschleißteile, so dass die Wartungskosten geringer sind. Mittlerweile gibt es hinreichend öffentliche Ladesäulen mit genormten Steckern auch hier bei uns in Hessen. Die OVAG kooperiert z.B. mit einer Firma PlugSurfing, die über 75.000 Ladepunkte in ganz Europa hat. Hier bezahlt man pro Ladevorgang, wobei die Kilowattstunde mit 36 Cent allerdings relativ teuer ist. Am günstigsten tankt man zuhause an der Steckdose oder noch besser, wenn man eine Fotovoltaik Anlage installiert, damit eine Batterie lädt und diese nachts zum Auftanken benutzt. Bei richtiger Auslegung der Anlage auf den Strombedarf und geeigneten Standort-bedingungen liegen die Stromgestehungskosten für Solarstrom bei 13 – 16 Cent/kWh brutto. Allerdings dauert der Ladevorgang an der normalen Steckdose noch immer ca. 9 Stunden. Es gibt Schnellladesäulen, die die Ladezeit verkürzen.

Nach wie vor wird die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs von der Bundesregierung mit 4.000 € bei Neukauf gefördert. Außerdem sind Elektrofahrzeuge, die bis zum 1. Januar 2021 angeschafft werden für 10 Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Die Bundesregierung hat das ehrgeizige  Ziel, dass bis zum 31.12. 2020 1 Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Dieses Ziel ist kaum zu erreichen. Bis zum 30.9.2018 wurde die Anschaffung von 80.274 Autos finanziell gefördert. Der Anteil an den Neuzulassungen liegt derzeit bei überschaubaren 0,1 Prozent.

Wegen der hohen Schadstoffbelastungen in deutschen Städten können Elektrofahrzeuge stark zu einer lokalen Emissionsfreiheit beitragen. Dies trifft allerdings nur zu, wenn sie auch mit Grünstrom betankt werden. Es ist auch davon auszugehen, dass die Batteriekosten in absehbarer Zeit spürbar sinken werden und dass die Reichweite weiter ausgebaut wird. Die kritische Frage eines Teilnehmers zur Umweltbilanz, die wegen der Produktionsprozesse etwa 8 Jahre betrage, bis von Klimaneutralität gesprochen werden könne, konnte der Referent nicht beantworten. Sollte das so sein, so sein Fazit, sei nach 8 Jahren eine Klimaneutralität erreicht. Ein konventionelles Auto mit Verbrennungsmotor erreiche diese dagegen nie.

Mit der Hoffnung, Lust  zumindest auf eine Probefahrt gemacht zu haben, endete der inhaltsreiche Abend, den die Teilnehmer mit viel Beifall und die Veranstalter mit großem Dank quittierten.

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