Feuern mit Holz

80 Prozent weniger Emissionen sind möglich

Feuern mit Holz hat viele Anhänger im Vogelsberg, nimmt man die vielen Interessierten als Maßstab, die zum Vortrag von Harald Stehl, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes der Schornsteinfeger in Hessen in das Dorfgemeinschaftshaus Rainrod gekommen waren. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) und Schottens Klimaschutzmanager Richard Lang hatten ihn eingeladen, um über eine optimale Verbrennungstechnik von Holz mit möglichst niedrigen Emissionen zu referieren.

Die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel im Gespräch mit dem Referenten Harald Stehl

Harald Stehl gab zunächst einen Überblick über die verschiedenen Holzbrennstoffe wie Scheitholz, Holzbriketts, Holzpellets und Hackschnitzel. Scheitholz und Holzbriketts werden üblicher Weise in handbeschickten Heizsystemen durch manuelles „händisches“ Füllen der Brennkammer in Einzelfeuerstätten verbrannt und dienen der Beheizung einzelner Räume und Etagen. Pellets werden dagegen meistens in Zentralheizungen automatisch durch eine elektronische Regelung der Feuerung zugeführt. Zentralheizungen geben die im Abgas enthaltene Wärme zu nahezu 100% an das Wasser eines Zentralheizungsnetzes ab.

Die meisten Besucher interessierten sich für die Holzverbrennung in einer Einzelfeuerstelle. Harte Laubhölzer sind recht energiereich haben aber einen etwas geringeren Heizwert als Nadelhölzer, die höhere Verbrennungstemperaturen entwickeln und wegen des höheren Heizgehaltes schneller abbrennen. Entscheidend sei jedoch der Wassergehalt des Holzes. Waldfrisches Holz hat einen durchschnittlichen Wassergehalt von 50 Prozent. Da Wasser nicht brennt, hängt der Heizwert vom Wasseranteil ab. 20 Prozent Wassergehalt sei wünschenswert. Das verbessere zugleich das Abgasverhalten des Holzes, führe zu weniger Schadstoffemissionen und geringerem Brennstoffbedarf. Einfache Holzfeuchtmessgeräte erhält man bereits ab 16 Euro.

Wichtig sei deshalb das fachgerechte Trocknen. Sehr gut trocknet Brennholz, wenn es von Luft durchströmt werden kann. Die Luft nimmt Wasser von der Holzoberfläche auf, kühlt ab und entweicht nach unten. Zum besseren Abführen der feuchten Luft und zur Vermeidung von aufsteigender Bodenfeuchtigkeit sollte ein Bodenabstand von ca. 20 cm eingehalten werden. Gespaltenes oder längs aufgetrenntes Holz trocknet besser, da die Verdunstungsoberfläche vergrößert wird.

„Holz ist ein gasförmiger Brennstoff“, erfahren wir vom Fachmann. Das erstaunt auf jeden Fall den Laien für den Holz doch etwas Festes zum Anfassen ist. Das hängt mit den drei Phasen der  Verbrennung zusammen. In der ersten Phase, der Erwärmung und Trocknung, verdampft das im Brennstoff gespeicherte Wasser und sonstige leicht flüchtige Stoffe. In der zweiten Phasezersetzt sich der Brennstoff bei Temperaturen ab etwa 150 Grad Celsius. Dabei entsteht ein Gasgemisch. Daneben bilden sich Öle und Teere, die ab einer Temperatur von etwa 400 bis 500 Grad Celsius vergasen. Sie verbinden sich mit Luftsauerstoff überwiegend zu Kohlenmonoxid. Vom ursprünglichen Holz ist in diesem Stadium nur noch Holzkohle übrig. In der dritten Phase, der eigentlichen Verbrennung, reagieren die in den ersten beiden Phasen gebildeten Gase mit zusätzlichem Luftsauerstoff zu Kohlendioxid und Wasser. Auch übrig gebliebene Holzkohle verbrennt mit der Zeit im Glutbett vollständig. Als einziger Verbrennungsrückstand bleibt Asche übrig.

Um Emissionen zu reduzieren muss möglichst schnell der optimale Verbrennungszustand erreicht werden.Zum Anzünden eignet sich am Besten kleines trockenes Nadelholz und kein Papier, da es sehr viel Asche bildet. Der Brennraum darf nicht überfüllt werden. Die Luftzufuhr muss während des Brennvorganges jederzeit gewährleistet sein, um eine vollständige Oxidation der brennbaren Rauchgase zu erreichen. Dann entweicht nur noch Wasserdampf. Es sollten nur einzelne Scheite auf die heiße Glut nachgelegt werden und die Luftklappen erst geschlossen werden, wenn die Glut kaum noch sichtbar ist. Eine schlechte Verbrennung erkennt man an einem starken Verbrennungsgeruch und mittelfristig an Ablagerungen im Verbrennungsraum und im Schornstein.

Die Holzfeuerungsanlage muss in einem ordnungsgemäßen technischen Zustand sein, die es ermöglicht die zugelassenen Grenzwerte und Mindestwirkungsgrade einzuhalten. Die Grenzwerte sind abhängig vom Jahr der Errichtung immer wieder verschärft worden. Offen Kamine dürfen an maximal 30 Tagen im Jahr beziehungsweise acht Tagen im Monat für fünf Stunden befeuert werden.

Grenzwerte gelten im Übrigen auch für Zentralheizungen. Holzfeueranlagen müssen alle zwei Jahre überprüft werden. Selbst für Schornsteine sind Mindesthöhen (abhängig von der Dachneigung) und Abstände zu Nachbarhäusern vorgeschrieben.

Ein Ofentausch lohnt sich aber nicht nur wegen der Grenzwerte. Neue Holzfeuerungsanlagen sind deutlich effizienter mit höheren Wirkungsgraden und bis zu 80 Prozent weniger Emissionen.

Feuern mit Holz schien den Teilnehmern der Veranstaltung fast eine Wissenschaft zu sein. Aber Harald Stehl hatte Tröstliches zum Abschluss: „Ihr Schornsteinfeger hilft!“

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.