Solarstrom vom Balkon

„Wir befinden uns weltweit in einer Revolution. Unser Energiesystem wird umgekrempelt. Die Monopole auf die Stromerzeugung und Stromvermarktung werden zusammenbrechen.“ Das ist jedenfalls die Prognose von Dipl.-Ing. Achim Parbel vom Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG). Auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) und des Klimaschutzmanagers der Stadt Schotten Richard Lang referierte er im Dorfgemeinschaftshaus von Rainrod über die „Energiewende von unten“.

Schottens Klimaschutzmanager Richard Lang, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und der MiEG Vorstand Achim Parbel (von links)

Bisher hätten die monopolistischen Stromerzeuger vor allem Tarife für den zentral erzeugten Strom verkauft. Das ändere sich gerade, weil immer mehr Strom dezentral, nahe beim Verbraucher erzeugt werde. Eine Möglichkeit dafür bieten die inzwischen sehr preiswerten Balkon-Photovoltaik-Module. Wohnungsmieter und nicht nur Hauseigentümer können damit ihre Energiewende selber vorantreiben. Es ist die Stromerzeugung für Jedermann. Bis zu 600 Watt könnten damit pro Stromkreis und Sicherungsautomaten erzeugt werden. Damit ließe sich die Grundlast von Kühlschrank, Gefriertruhe und Stand-By-Geräten in einem 3-Personen-Haushalt abdecken.

Mit diesen Modulen komme der Strom nicht mehr aus sondern in die Steckdose. Der Modulstrom kann über eine Schuko Steckdose in den häuslichen Stromkreislauf eingespeist und dort verbraucht werden. Die Balkon-PV-Module haben einen integrierten VDE-Norm-gerechten Mini-Wechselrichter. Der Modulrahmen ist gleichzeitig der Montagerahmen und lässt sich mit einer einfachen Halterung z.B. auf dem Balkon montieren. Das könnten auch Laien. „Durch die Praxiserfahrungen von über 200.000 steckbaren Solargeräten ist auch der Anschluss mit Schuko Stecker mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik in Einklang zu bringen“, heißt es dazu in der DIN VDE Richtlinie. Wer seiner Elektroinstallation nicht traut, lässt seine Stromkreise durch einen Elektroinstallateur prüfen und der schreibt eine Bescheinigung für den Netzbetreiber. Auf jeden Fall macht es Sinn, sich mit einem erfahrenen Partner wie z.B. der MiEG oder in der monatlichen Energie-Sprechstunde bei Herrn Kolb in der Stadtverwaltung vorher zu beraten.

Allerdings müssten sich die Kleinstromerzeuger beim regionalen Energieerzeuger wie der OVAG anmelden. Bei der OVAG gäbe es auch die entsprechenden Formulare. Sie müssten das auch von Laien seit dem 27. April 2019 akzeptieren. In den Niederlanden und in Belgien ist das nicht notwendig. Schließlich könne man den Tiefkühlschrank oder den elektrischen Rasenmäher ja auch ohne solchen bürokratischen Aufwand betreiben, sofern sie den anerkannten technischen Richtlinien entsprächen. Das scheinen auch bei uns viele Stromselbsterzeuger so zu sehen. Von den inzwischen über 20.000 installierten Modulen in Deutschland seien nur ein Bruchteil angemeldet.

Manche „Experten“ halten diese Vision für eine Utopie. Doch da hält es Achim Parbel mit Mahatma Gandhi: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du“. Das Lachen wird weniger. Aber die großen Stromerzeuger haben den Kampf noch nicht aufgegeben. Mit der umweltverschmutzenden Braunkohleverstromung lässt sich noch immer gut Geld verdienen. Schauen wir uns jedoch in der Welt um, so sind die Kleinstromerzeuger in vielen Gegenden bereits auf der Gewinnerseite. Und zwar überall dort wo es keine zentrale Stromerzeugung mit riesigen Stromtrassen gibt. In der Mongolei steht an jedem Nomadenzelt eine Solarmodul.

Im zweiten Teil der Veranstaltung präsentierte Schottens Klimaschutzmanager Richard Lang das hessische Solarkataster. Es ist ein kostenloses Werkzeug, um standortgenau die Eignung von Dach- und Freiflächen für Solarinstallationen zu prüfen. Er demonstrierte das an den Dachflächen des DGH Rainrod. Außerdem lässt sich mit dem Solarkataster eine Ertrags- und Wirtschaftlichkeit-Berechnung durchführen.   https://www.energieland.hessen.de/solar-kataster

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