EES besucht „nachhaltiges Weingut“

„Wir sind ein nachhaltiges aber kein ökologisches Weingut“, betonte Winzer Tobias Jung. „Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und soziales Engagement gehören für uns zusammen. Das ist umfassender als ein BIOsiegel.“ Nachhaltigkeit müsse den gesamten Kreislauf umfassen: die Weinberge, die Ernte, die Weinproduktion, die Mitarbeiter bis hin zu den Kunden. Aber sie müsse wirtschaftlich sein. Das Weingut wurde als „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ ausgezeichnet. Bei ihnen hätten auch Menschen eine Chance, die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben. Der Winzer bewirtschaftet mit 15 fest angestellten Mitarbeitern 60 Hektar Rebfläche.

Mit einem so umfassenden Anspruch hatten die 12 Mitglieder des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) nicht gerechnet, als sie von dem „nachhaltigen Weingut“ hörten und sich auf den Weg nach Albig in Rheinland-Pfalz machten.

Bei einer Weinprobe erläuterte Tobias Jung seine Philosophie und gelebte Praxis. Ihr Ziel sei die nachhaltige Produktion von hochwertigen feinen Weinen in einer ihren Böden angepassten Vielfältigkeit. Auf ihren Rebflächen wüchsen 21 Rebsorten aus denen jedes Jahr ungefähr 60 verschiedene Weine und Sekte gekeltert würden. Vom Weinberg bis zur Weinflasche lägen alle Arbeiten in ihrer Hand. Die Weinberge gehörten der Familie zum Teil seit über 200 Jahren. Mittlerweile verzichteten sie vollständig auf Kupfer und Insektizide im Pflanzenschutz. Sie experimentierten mit Gräsersorten, die auch unter den Reben wachsen und Schädlinge fernhalten. Sechs Hektar ihrer Weinberge würden im Wechsel stillgelegt, damit sich der Boden regenerieren können. Im Weinberg wachse die Qualität des Weines. Veredelt werde der Wein aber im Keller.

Unsere Besuchergruppe im Weinkeller

In den letzten Jahren hätten sie 30 Prozent Energie im Betrieb durch innovative Lösungen eingespart. Davon konnte sich unsere Besuchergruppe am nächsten Morgen beim Rundgang durch den Weinkeller überzeugen. Voraussetzung für eine gute Weinqualität sei die behutsame Pressung der Trauben mit nur noch maximal zwei Bar Druck. Früher war der Pressendruck bis zu sechsmal so hoch. Auch darin wurde investiert. Einzigartig ist der Röhrenbündelwärmetauscher in Kombination mit einem Kühlturm und einem großen Pufferspeicher. Diese Technologie ermögliche es, die Energie, die bei der Rotweinherstellung entsteht, zu verschieben, um sie zur Gärung des weißen Traubensaftes zu nutzen. Während dieses Prozesses konnten bis zu 70 Prozent Energie eingespart werden. Das erfordere aber einen erheblichen logistischen Aufwand. Da die Prozesse parallel verlaufen, müssten die Ernteabläufe der verschiedenen Weißwein- und Rotweinsorten eng aufeinander abgestimmt werden. Der richtige Zeitpunkt der Traubenernte sei hier von großer Bedeutung. Dafür ständen eine tatkräftige Handlesemannschaft und ein Traubenvollernter zur Verfügung. In diesem Jahr hätten sie die gesamte Weinlese in den letzten drei Septemberwochen abgewickelt. Beeindruckend waren auch die Edelstahltanks in denen 1,5 Millionen Liter Wein eingelagert werden können. Daneben gibt es bis zu hundert Jahre alte Holzfässer in denen der Rotwein ausgebaut wird. Die letzte Station war die Abfüllanlage mit einer Kapazität von 15.000 Leichtglasflaschen pro Tag. Das spare Energie in der Herstellung und den Transport der Weinflaschen.

Tobias Jung bezeichnet sich selbst als einen Tüftler, der ständig nach Verbesserungen sucht. Inzwischen würden im gesamten Betrieb LED-Leuchten eingesetzt. Als sie 2010 ihr neues Wohngebäude als Niedrigenergiehaus mit einem Pufferspeicher von 8.300 Litern neu bauten, war dies eine sehr vorausschauende Investition. Der Pufferspeicher werde mit Sonnenenergie über einen 40m² großen Kollektor auf dem Dach des Hauses beheizt und versorge so im Winter – in Kombination mit einem Grundofen – das Haus mit Wärmeenergie. Nur am Rande erwähnte er sein Engagement für die Windenergie in den 1990er Jahren. Damals gehörte er mit dem Bau eines eigenen Windrades zu den Pionieren in Rheinland-Pfalz.

Die Vorsitzende des EES Jutta Kneißel zeigte sich sehr beeindruckt von der Kreativität und dem Engagement des Weingutteams. Sie dankte Tobias Jung für die umfassenden Informationen.

Weingut Jung & Knobloch GbR, Langgasse 46 55234 Albig

info@weingut-jung-knobloch.de

Telefon 06731 6661

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