GLS – die weltweit erste Ökobank

Anfang der 1970er Jahren hatten Demeter Höfe und Waldorf Schulen Schwierigkeiten bei normalen Geschäftsbanken Kredite zu erhalten. Den traditionellen Banken war das Risiko zu groß, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden würden. So gründeten Anthroposophen 1974 die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS Bank). Aus kleinen Anfängen ist mittlerweile ein großes und erfolgreiches Institut geworden wie Jens Kaufmann, Mitarbeiter der Bank jetzt auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten berichtete.

Referent Jens Kaufmann mit der Vereinsvorsitzenden Jutta Kneißel

Heute finanziert die GLS Bank mit dem Geld ihrer Kunden „nur solche Unternehmen und Projekte, die Entwicklungschancen für unsere und für zukünftige Generationen erhalten oder schaffen.“ Die Bank folgt dem Motto, dass Geld für die Menschen da sei. Die Kreditvergabe erfolgt grundsätzlich nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Energie, Wohnen, Bildung, Ernährung, Soziales und nachhaltige Wirtschaft. Unter den Kunden der Bank gibt es solche, die Energie produzieren, konsumieren oder handeln, es gibt Dienstleister und Anlagenhersteller. Die Bank begreift die Vielfalt ihrer Kunden als Riesenchance und sucht Wege, diese sozial zu vernetzen. So hat sie die Plattform Futopolis eingerichtet für Menschen, die biologisch erzeugte Lebensmittel suchen, eine freie Schule gründen wollen oder auch nur ein Lastenfahrrad leihen wollen.

Seit mehr als 30 Jahren finanziert die Bank den Ausbau erneuerbarer Energien. Sie verleiht Geld für intelligente Stromnetze, Energiespeicher und Steuerungssysteme zur dezentralen Energieversorgung. Sie unterstützt Projekte gegen Mietenwucher und Bodenspekulation. Jens Kaufmann erläuterte dieses Konzept an mehreren Beispielen aus der jüngsten Zeit. So finanziert die GLS in der Niddastraße in Frankfurt ein Mietshäusersyndikats-Projekt. Mieter taten sich zusammen, gründeten eine Gesellschaft und erwarben die zum Verkauf stehende Mietshäuser. Heute wohnen sie in Wohnungen zu akzeptablen Mietpreisen. Von den über 130 bestehenden Mietshäusersyndikats-Projekten in Deutschland hat die GLS Bank mehr als die Hälfte finanziert. Eine weitere Initiative der Bank ist die Gründung der BioBoden-Genossenschaft. Sie konnte inzwischen mehr als 30 Mio. € sammeln und kaufte damit über 3.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen, die an Biobauern verpachtet werden.

Jeder kann Mitglied der Genossenschaftsbank werden und Anteile zeichnen. Wenn jemand ein Konto einrichtet, kann der Kunde auswählen, wofür sein Geld bevorzugt verwendet werden soll. Über den Einlagensicherungsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken sind alle Anlagen zusätzlich abgesichert. Über die Kreditvergaben herrscht absolute Transparenz. Jeder neue Kredit ist in der vierteljährlich erscheinenden Kundenzeitschrift aufgelistet.

„Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.“ Mit diesem Zitat von W. E. Barkhoff, einem der Gründer der Bank, endete der sehr informative Vortragsabend.

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