Kleinwindanlagen rechnen sich nicht immer

Viele kreative Lösungen in der Entwicklung

Kann ich mich mit einer Kleinwindanlage von den steigenden Strompreisen abkoppeln? Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? Wo darf ich solche Anlagen aufstellen? Wie läuft das mit dem Genehmigungsverfahren? Stecken die Anlagen noch in den Kinderschuhen oder kann ich ein technisch ausgereiftes Produkt erwarten? Mittlerweile gibt es auf dem Markt eine fast unübersehbare Vielfalt von Kleinwindanlagen. Um eine sachgerechte Entscheidung zu erleichtern, hatte der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) einen Besichtigungstermin bei der Firma Johannes Hübner in Gießen vereinbart.

Modell Windstreamer

Hübner baut seit fast 80 Jahren elektrische Maschinen. Seit einigen Jahren hat sich das Unternehmen auf dezentrale hybride Energiesysteme spezialisiert. Dafür fertigen sie Generatoren für die Energieumwandlung von Wind und Wasser im Netz- und Batteriebetrieb und bieten Lösungen für das Energiemanagement. Die Ingenieure Karl Ewald Ohl und Maik Will erläuterten den zahlreichen Besuchern verschiedene Kleinwindanlagen mit ihren technischen Kennziffern und Anwendungsmöglichkeiten. Überrascht waren die Besucher von den vielen kreativen Lösungen, die weit in die Zukunft deuten, wie das Konzept mit Winddrachen, die den Höhenwind ernten sollen. Die Energie soll hier durch die Seile auf den am Boden befindlichen Generator übertragen werden.

Die Ingenieure Karl Ewald Ohl und Maik Will mit der EES-Vorsitzenden Dr. Jutta Kneißel

Als Prototyp verfügbar ist bereits eine fahrbare mobile Windanlage mit zwei Flügeln und einer Nennleistung von 10 Kilowatt. Sie kann in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um z.B. netzunabhängig Pumpen für die Feldbewässerung anzutreiben. Angetan waren die Besucher von dem Energiecontainer. Dort sind eine Kleinwindanlage mit einer Photovoltaik-Anlage, einem Dieselaggregat und einem Batteriesystem als Zwischenspeicher zu einer autonomen Energie-Anlage kombiniert. Er dient der autarken Energieversorgung in Gebieten, in denen es kein Stromnetz gibt oder soll z.B. nach Erdbeben in Katastrophengebieten für die Notversorgung eingesetzt werden.

Als ein bereits ausgereiftes Produkt stellten die beiden Ingenieure den Horizontalflügler (WESpe 5,0) mit 5 Kilowatt Leistung vor. Er liefere schon bei geringen Windgeschwindigkeiten Leistung ins Netz. Die Anlage werde standardmäßig mit einem zweifach abgespannten Stahlrohrturm mit einer Höhe von 18 Metern geliefert und eigne sich zur Stromerzeugung in Küstennähe, in der Landwirtschaft, für Berghütten, Freizeitparks oder Ferienresorts. Der Wind Streamer mit 3 Kilowatt Leistung, ein Kleinwindrad mit vertikaler Achse und zwei Rotoren (innen und außen), sei für die unabhängige Energieversorgung eines Wochenendhauses oder den Betrieb einer Wärmepumpe geeignet. Außerdem präsentierten sie verschiedene horizontale Windkraftanlagen von 3 bis 10 Kilowatt. Grundsätzlich sei der Wirkungsgrad von horizontalen Anlagen besser als der von vertikalen. Sowohl der Wind Streamer als auch mehrere horizontale Anlagen konnten die Besucher auf dem Firmengelände in Augenschein nehmen. Ab dem Sommer werden sie bei Ulrichstein aufgebaut. Die Firma Hübner will dort in Langzeitmessungen die realistische Leistungsausbeute herausfinden.

Bei allen auf dem Markt befindlichen Anlagen müsse man genau hinschauen, ob sie sich auch rechnen, betonten die beiden Fachleute. So sei die Amortisationszeit von Kleinwindanlagen bis zu dreimal so hoch wie die von Großwindanlagen. Grundsätzlich sei es sinnvoll, den durch eine Kleinwindanlage erzeugten Strom selbst zu verbrauchen. Die Einspeisung in das Stromnetz lohne sich nicht bei der niedrigen Vergütung von 9,2 Cent pro Kilowattstunde. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sollten immer die Leistungsangaben der Hersteller überprüft werden, die oft nicht stimmten. Es gebe natürlich auch bürokratische Hürden. So würden die Bauämter in dichtbesiedelten Stadtgebieten sicher kein Kleinwindrad mit einem 18 Meter hohen Mast zulassen. Außerdem würden sie sich in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich verhalten. Deshalb solle man sich vorab erkundigen.

Prof. h.c. Karl Ewald Ohl erklärt ein Kleinwindrad mit Pitchverstellung

Die Vorsitzende des EES Dr. Jutta Kneißel bedankte sich bei Karl Ewald Ohl und Maik Will für die realistischen und praxisnahen Erklärungen. Im nächsten Jahr werde der EES eine Veranstaltung auf dem neuen Versuchsfeld der Firma in Ulrichstein organisieren. Sie verwies außerdem auf einen zweiten Termin zu Kleinwindanlagen am 20. April in Freiensteinau. Weitere Informationen finden sich unter www.ees-schotten.de und www.huebner-giessen.com.

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