Kleinwindanlagen für den Selbstversorger

Veranstaltungen des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten stoßen auf großes Interesse

Mit Kleinwindanlagen lässt sich auch in einer bebauten Umgebung mit wenig Wind Elektrizität für den Eigenverbrauch erzeugen. Das Interesse daran steigt, wie der sehr gute Besuch an zwei Veranstaltungen des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) zeigte. Mittlerweile gibt es auf dem Markt eine fast unübersehbare Vielfalt von Kleinwindanlagen. So gab es bei den Besuchern viele Fragen. Kann ich mich mit einer Kleinwindanlage von den steigenden Strompreisen abkoppeln? Wo darf ich solche Anlagen aufstellen? Wie läuft das mit dem Genehmigungsverfahren? Stecken die Anlagen noch in den Kinderschuhen oder kann ich ein technisch ausgereiftes Produkt erwarten? Um eine sachgerechte Entscheidung zu erleichtern, organisierte der EES in den letzten Wochen zwei Besichtigungstermine bei einem Hersteller in Gießen und zwei gerade installierten Kleinwindanlagen bei dem Schreiner Uwe Möller in Ober Moos.

Windstreamer mit vertikaler Achse und zwei Rotoren

Auf dem Firmengelände der Fa. Hübner in Gießen konnten die Besucher mehrere horizontale und eine vertikale Anlage in Augenschein nehmen. Die Ingenieure Karl Ewald Ohl und Maik Will erläuterten den Besuchern verschiedene Kleinwindanlagen mit ihren technischen Kennziffern und Anwendungsmöglichkeiten. Ein bereits ausgereiftes Produkt ist der Horizontalflügler WESpe 5,0 mit einer Leistung von 5 Kilowattstunden. Die Anlage wird standardmäßig mit einem 15 Meter hohen Stahlrohrturm geliefert und eignet sich zur Stromerzeugung in Küstennähe, in der Landwirtschaft, für Berghütten, Freizeitparks oder Ferienresorts. Der Wind Streamer ist ein Kleinwindrad mit vertikaler Achse und zwei Rotoren (innen und außen) und 3 Kilowatt Leistung. Er ist für die unabhängige Energieversorgung eines Wochenendhauses oder den Betrieb einer Wärmepumpe geeignet. Grundsätzlich sei der Wirkungsgrad von horizontalen besser als der von vertikalen Anlagen, erklärten die beiden Fachleute. Ab dem Sommer lässt ihre Firma unterschiedliche Kleinwindanlagen bei Ulrichstein aufgebauen, um dort in Langzeitmessungen die realistische Leistungsausbeute herausfinden.

Zwei donQi Windturbinen auf dem Dach von Uwe Möller

Schreinermeister Uwe Möller nutzt seit dem Februar 2012 die elektrische Energie von zwei donQi Windturbinen auf dem Dachfirst seines Hauses für den Eigenbedarf in der Werkstatt und im Wohnhaus. Nach Denis Schreiter aus Schotten, der die Anlagen installierte, genügen bereits Windstärken ab 2,7 m/s, um Strom abzugeben. Der jährliche Ertrag der beiden 1,75 kW Windturbinen ist mit mindestens 1400 Kilowattstunden bei einer durchschnittlichen Windstärke von 4,5 m/s prognostiziert. Bei durchschnittlich 5 m/s werden 1800 kWh erreicht. Damit werden pro Jahr 680 kg CO2-Emissionen vermieden. Das entspricht einer Fahrleistung von 4500 km mit einem Auto bei 150 g/km. Diese Windturbinen amortisieren sich nach 10 bis 15 Jahren, abhängig vom Windstandort. Dabei wird von Eigenverbrauch ausgegangen, der gegen den Strompreis gerechnet wird.

Bei der wartungsfreien donQi Windturbine konnten die Besucher kaum Drehgeräusche der Windflügel vernehmen. Sie werden durch den Turbinenmantel weitgehend absorbiert. Im reinen Wohngebiet liegen sie bei 35 dB. Ab einer Windgeschwindigkeit von 8 m/s überdecken die Hintergrundgeräusche die Schallemissionen der Anlage. Bei einer Dachmontage werden Schwingungsübertragungen auf das Haus durch sogenannte U-Mounts – eine Pufferung zwischen der Verschraubungsplatte des Ständers und dem Dach – praktisch ausgeschlossen. Bis 10 Meter Masthöhe ist die Anlage genehmigungsfrei. Die Höhe des Dachfirstes bleibt dabei unberücksichtigt.

Denis Schreiter erläutert die Verankerung des Windmastes auf dem Dachboden – Die schwarzen Ringe unter den Schrauben sind U-Mounts, die die Schwingungsübertragung auf das Haus verhindern

Bei allen auf dem Markt befindlichen KLeinwindanlagen muss man genau hinschauen, ob sie sich auch rechnen, lernten die Besucher. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sollten immer die Leistungsangaben der Hersteller überprüft werden, die oft nicht stimmten. Grundsätzlich sei es sinnvoll, den durch eine Kleinwindanlage erzeugten Strom selbst zu verbrauchen. Die Einspeisung in das Stromnetz lohne sich nicht bei einer Eispeisevergütung von weniger als neun Cent. So sei die Amortisationszeit von Kleinwindanlagen bis zu dreimal so hoch wie die von Großwindanlagen. Es gibt natürlich auch bürokratische Hürden. So würden die Bauämter in dichtbesiedelten Stadtgebieten sicher kein Kleinwindrad mit einem 15 Meter hohen Mast zulassen. Außerdem würden sie sich in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich verhalten. Deshalb solle man sich vorab erkundigen.

Die EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel im Gespräch mit Denis Schreiter und Uwe Möller

Die Vorsitzende des EES Dr. Jutta Kneißel fühlte sich aufgrund des hohen Interesses bestätigt, Kleinwindanlagen zum Thema zu machen. Besonders interessant würden solche Anlagen, wenn ihr Strom wie auch der von Photovoltaik-Anlagen zwischengespeichert werden kann. Dann könne er unabhängig vom Erzeugungszeitpunkt verbraucht werden. Dazu müssten allerdings die Speichermöglichkeiten noch billiger und besser werden. Bei den jährlich steigenden Stromkosten von im Schnitt sechs Prozent in den letzten Jahren könne sich der Verbraucher dann zumindest teilweise von den Stromkonzernen abkoppeln.

Weitere Informationen finden sich unter www.huebner-giessen.com und www.donqi-windturbine.de

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