Pfarrer Möser informiert über das kirchliche Klimaschutzkonzept

Energiewende braucht einen langen Atem

„Wenn wir die Energiewende wirklich wollen, müssen wir die Menschen von diesem Zukunftsprojekt überzeugen und sie mitnehmen. Und das braucht einen langen Atem“, so die Erkenntnis von Pfarrer Dr. Peter Möser aus dem Schottener Stadtteil Rainrod. Er bekleidet zugleich die Profilstelle Gesellschaftliche Verantwortung in den ev. Dekanaten Büdingen, Nidda und Schotten. In dieser Funktion nutzte er einen 3-monatigen Studienurlaub, um sich über die Möglichkeiten und Chancen der Energiewende sachkundig zu machen. Über seine bundesweiten Recherchen informierte er auf einer Veranstaltung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) in den Räumen des Vogelparks.

Pfarrer Dr. Peter Möser

Pfarrer Dr. Peter Möser

Vor allem dürfe man nicht aufgeben, wenn man was erreichen will, so der Pfarrer. Als Mut machendes Beispiel zeigte er dazu Ausschnitte aus dem Film der „Stromrebellen von Schönau“. Sie wollten nach der Katastrophe von Tschernobyl zeigen, dass eine atomstromfreie Zukunft möglich ist. Fast zehn Jahre brauchten sie, um das Schönauer Stromnetz von den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) zurück zu kaufen und ein bürgereigenes Elektrizitäts-Werk aufzubauen. Ohne den Rückhalt in der Bevölkerung wäre ihnen das nie gelungen. Dazu mussten sie zwei Bürgerentscheide gegen die geballte Macht des regionalen Strommonopolisten KWR gewinnen. Für die Schönauer ist ihr Projekt der Anfang vom Ende des Atomzeitalters. Und das hatte auch das Management von KWR begriffen, die deshalb dieses für ihr Unternehmen ökonomisch eigentlich unbedeutende Exempel verhindern wollten.

Das Ziel der Schönauer Stromrebellen: Ausstieg aus der Atomenergie, scheint nach dem Super Gau von Fukushima in der deutschen Gesellschaft heute selbstverständlich zu sein. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung spreche sich für die Energiewende aus. Auch die generelle Richtung sei eigentlich klar, so Möser: Reduzierung der klimaschädlichen Gase bei gleichzeitiger Ressourcenschonung. Der „Königsweg“ sei der Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Schlüsselbegriffe hießen Nachhaltigkeit, Retinität (gemeint ist damit die Vernetzung unserer Ökosysteme), die Dekarbonisierung, also der Abschied von der kohlebasierten Wirtschaft und ihre Umstellung auf ein System erneuerbarer Energien.

Allerdings habe er in seinen vielen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass die Begeisterung für die „erneuerbaren Energien“ abnähme. Bei der Windenenergie formiere sich vielfältiger Widerstand in Bürgerinitiativen, die Ökostromumlage belaste zunehmend die Bürger, bei der Bioenergie müsse man sich nach der ökologisch sinnvollen Bodennutzung fragen und die Umstellung brauche Zeit.

Dem halte er entgegen, dass die Klimapolitik nicht der jetzigen Generation, sondern den folgenden diene. Klimaschutz als „Horizont der Energiewende“ sei unsere Verantwortung, weil wir das Lebenshaus „Erde“ nicht ruinieren dürfen. Nach uns wollten noch andere aus der Menschheitsfamilie darin wohnen. Deshalb engagiere sich die evangelische Kirche für die Energiewende. Der evangelische Kirchentag in Hamburg stand auch aus diesem Grund unter dem Bibelwort „Soviel du brauchst“. Daraus abgeleitet wurde diskutiert: Wie gehen wir verantwortlich mit unseren begrenzten Ressourcen um? Wie finden wir das richtige Maß?

Für Pfarrer Möser fängt Klimaschutz im Kopf an und brauche viele Multiplikatoren. Die Menschen müssten dafür gewonnen werden. Dazu Energiewende müsse vor allem sozialverträglich gestaltet werden. Nicht in jedem Fall ließen sich jedoch Interessengegensätze wie bei der Windenergie zwischen Investoren, Anwohnern, Stadtverordneten und Bürgern vermeiden. Hier sei ein fairer Umgang miteinander gefordert. Bei der Frage des Abstandes zu Wohngebieten schlage er einen Abstand von 500 Metern plus der fünffachen Höhe vor. Bei dieser variablen Vorgabe könnten auch kleiner Windräder den Vorzug bekommen und zu einer Wahrung des Landschaftsbildes beitragen.

Jeder könne zur Energiewende seinen Beitrag im Kleinen leisten. So werde die Speicherung und der Verbrauch selbst erzeugter Energie in nächster Zeit sicher stark zunehmen. Vor allem gelte es Energie einzusparen. Das gelte auch für die evangelische Kirche. Viele ihrer Gebäude wie Kirchen, Pfarrhäuser, Gemeindehäuser, Kindergärten oder für die Verwaltung müssten in den nächsten Jahren saniert werden. Ein gelungenes Beispiel für eine energetisch vorbildliche Sanierung sei eine Kirche mit Gemeindehaus in Rheinsberg, die mit Innendämmung und Wärmerückgewinnung über die Lüftung zu einem Passivhaus umgewandelt wurden.

Die Zusammenarbeit mit der Kirche und anderen wichtigen Multiplikatoren müsse verstärkt werden, meinte die EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel am Schluss der interessanten Veranstaltung. Für 2014 schlug sie vor, eine gemeinsame Klimaschutz-Konferenz in Schotten durchzuführen. Dort könnten auch externe Referenten die Bevölkerung informieren und Mut machende Beispiele vorgestellt und diskutiert werden.

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