Energiegenossenschaft Vogelsberg

Wertschöpfung für die Region durch Bürgerbeteiligung

„Die Energiewende muss durch die Bürger als Mitunternehmer und Gestalter vorangetrieben werden“, beschreibt Dr. Birgit Richtberg Geist und Ziel der Energiegenossenschaft Vogelsberg (EGV). Neben ihrem Amt als Bürgermeisterin von Romrod ist sie ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der im August 2011 gegründeten Genossenschaft. Auf Einladung des Vereins „Erneuerbare Energien für Schotten e.V.“ informierte sie gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Günter Mest über Ziele und Projekte der Energiegenossenschaft.

Dr. Birgit Richtberg  Vorstandsvorsitzende der Energiegenossenschaft Vogelsberg

Dr. Birgit Richtberg
Vorstandsvorsitzende der Energiegenossenschaft Vogelsberg

Da die Energiewende hauptsächlich im ländlichen Raum stattfinde, sei es für sie als Kommunalpolitikerin unabdingbar, geeignete Strukturen für eine regionale Wertschöpfung zu schaffen. Der wirtschaftliche Ertrag müsse hier gerecht verteilt werden und dürfe nicht an große Investoren nach außerhalb fließen. In einer Genossenschaft mit ihrer demokratischen Struktur könnten sich Bürger finanziell an einer nachhaltigen Energiewende beteiligen und sie inhaltlich mitgestalten. In einer Genossenschaft werde nach Köpfen und nicht nach Kapitalanteilen abgestimmt. Dadurch ließe sich zugleich die notwendige Akzeptanz für den energetischen Umbau vor Ort erreichen.

Diese Akzeptanz ließe sich an Zahlen der EGV belegen, so Birgit Richtberg. Es gebe eine Dynamik bei den Mitgliedern und den Geschäftsanteilen. Bei der Gründung der Genossenschaft vor zwei Jahren zeichneten 58 Mitglieder 331 Anteile zum Stückpreis von 100 Euro. Die Stadt Schotten beteiligte sich ebenso wie der EES. Heute seien es 343 Mitglieder mit 2.758.000 Euro Geschäftsanteilen. Diese auf den ersten Blick überraschende Entwicklung hängt damit zusammen, dass die Genossenschaft nach dem Bau verschiedener kleinerer Photovoltaikanlagen auf überwiegend städtischen Dächern im letzten Jahr auf Wunsch der Gemeinde Ober-Moos dort eine auf einer ehemaligen Mülldeponie erbaute Freiflächenanlage übernommen hat. Die Investitionskosten in Höhe von 5 Mio. € wurden über ein Bankdarlehen finanziert. Das Darlehen wird jetzt sukzessive durch Nachrangdarlehen von Gesellschaftern abgelöst. Mittlerweile finanzierten sie so über 40 % der Anlage. Das sei zwar teurer als die zurzeit sehr günstigen Bankdarlehen, sei aber im Sinn der Genossenschaft. Sie wolle ein positives Ergebnis erwirtschaften aber nicht um jeden Preis. Nachrangdarlehen an die Genossenschaft werden projektbezogen eingesetzt und je nach Höhe der Einspeisevergütung verzinst. Jeder Gesellschafter kenne also „sein Projekt“. Inzwischen gebe es fast 20 Projekte. Für die Freiflächenanlage Ober-Moos können noch Anteile gezeichnet werden. Die Verzinsung betrage je nach Laufzeit von 5, 10 oder 15 Jahren 3 bis 4,5 Prozent.

Auf Nachfrage erläuterte Frau Richtberg, dass Nachrangdarlehen im Falle einer Insolvenz ein hohes Verlustrisiko haben. Dies sei aber bei Photovoltaikanlagen wegen der auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung vernachlässigungswert gering. Bei einer Investition in Windkraftanlagen, die derzeit geprüft würden, sei das Risiko höher. Da die Sicherheit des Darlehens im Vordergrund stehe, sei noch mit einiger Zeit zu rechnen, bevor solche Anlagen durch die Energiegenossenschaft realisiert werden könnten.

Von einer nachhaltigen dezentralen Energieerzeugung profitierten für die Bürgermeisterin Grundstückseigentümer durch die Pacht aus dem Nutzungsvertrag, die Bürger durch eine sichere Geldanlage und die Kommunen durch zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Für die EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel stärkt die Bürgerbeteiligung den Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Außerdem verhindere der im Vogelsbergkreis mit Bürgerbeteiigung erzeugte Strom den Abfluss von Geld aus der Region an fremde Investoren beziehungsweise für den Bezug von Strom, der mit fossilen Energieträgern erzeugt wird.

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