Lichtverschmutzung

Rettet die Nacht! – Wer sieht noch den Sternenhimmel?

Die Lichtverschmutzung gefährdet Mensch und Natur

Sattelitenbilder zeigen eine nächtlich strahlende Nordhalbkugel unserer Erde, während der größte Teil der Südhalbkugel im Dunkeln liegt. Das ist auch ein Ausdruck von arm und reich. Die Ursache für die nächtliche Helligkeit bei uns ist die Beleuchtung von Häusern, Straßen, Plätzen oder Flughäfen, deren Licht zu einem großen Teil bis in den Weltraum ausstrahlt. Fünfzehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs werden dafür aufgewendet. Allein in Deutschland sind das 80 TerraWatt (eine Zahl mit 12 Nullen). Welche Folgen das nächtliche Licht für den Lebensrhythmus von Mensch und Natur haben, erläuterten auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) der Biologe und Umweltpädagoge Dr. Martin Jatho am Beispiel der Fledermäuse und Sabine Frank von der Initiative zum Schutz der Nacht, die sich für einen Sternenpark im Biosphärenreservat Rhön einsetzt.

Sabine Frank und Dr. Martin Jatho

Sabine Frank und Dr. Martin Jatho

Martin Jatho ist ehrenamtlich im NABU-Arbeitskreis Fledermausschutz im Vogelsbergkreis engagiert. In seinen Ausführungen bemühte er zunächst die Schöpfungsgeschichte. Das große Licht – also die Sonne – beherrsche den Tag, so Gott und das kleinere Licht die Nacht und die Sterne. „Und Gott sah, dass es gut war“, heißt es zum Schluss des dritten Tages der Schöpfungsgeschichte. Mensch und Natur brauchen also beides: Tag und Nacht, allerdings unterschiedlich.

So seien mehr als die Hälfte aller Lebewesen nachtaktiv. Dazu gehörten die Fledermäuse. Sie lebten von Insekten, die sie mit Ultraschall orteten. Bis zu 4000 würden sie davon pro Nacht verzehren. Sie seien deshalb besonders wichtig für das biologische Gleichgewicht in der Natur. Immerhin hätten sie sich bereits seit mehr als 80 Millionen Jahre auf der Erde behauptet. Die Existenz des Homo sapiens ist dagegen erst seit einer Millionen Jahre fossil belegt. Künstliche Lichtquellen ziehen Insekten an, wodurch die „dunklen Gegenden“ – also die Jagdreviere der Fledermaus – entvölkert werden. Damit ginge die verfügbare Biomasse zurück und die Flugstrecken zu den Nahrungshabitaten nähmen zu. Das gefährde viele Fledermausarten. Außerdem würden Blüten durch diese ebenfalls nachtaktiven Insekten nicht mehr bestäubt. Das habe weitreichende Folgen für die Pflanzenwelt und Lebewesen.

Die meisten Fledermausarten scheuen das Licht z.B. durch mit Straßenlaternen beleuchtete Flugkorridore. In einem Versuch wurden die nächtlichen Flugbewegungen aus Fledermausquartieren gezählt. Aus zunächst unerklärlichen Gründen gingen sie plötzlich gegen Null. Grund war eine versehentlich eingeschaltete Lampe. Als dies nach etwa einer Woche bemerkt wurde, lagen mehrere hundert Fledermäuse tot am Boden. Siehatten sich nicht getraut an der Lichtquelle vorbei zu fliegen und verhungerten. Künstliches Licht müsse deshalb zum Schutz vieler Lebewesen begrenzt werden, so die Forderung von Martin Jotho.

Nun ist das künstliche Licht eine Kulturleistung der Menschen. Sie reicht 500.000 Jahre bis zum Lagerfeuer der Peking-Menschen zurück. Prähistorisch sind Tierfett-Lampen nachgewiesen. Später kamen Fackeln und Kerzen hinzu. Im 17. Jahrhundert gab es die ersten Öllaternen in Berlin und ab dem frühen 19. Jahrhundert Gaslaternen. 40.000 Gaslaternen leuchten noch heute in Berlin vielen Bürgern nachts den Weg. Die erste elektrische Straßenbeleuchtung wurde 1882 in Nürnberg und Berlin installiert. Heute erhellen Hochleistungs-LED-Lampen unsere Straßen, die ab dem nächsten Jahr auch in Schotten eingesetzt werden.

Aber in vielen Städten werde es gar nicht mehr richtig dunkel. Das habe negative Auswirkungen für den Menschen und seine Umwelt, betonte Sabine Frank. Zu viel künstliches Licht störe den Tag-Nacht-Rhythmus, sorge für Schlafstörungen und fördere möglicherweise Depressionen. Die vielen Lichtpunkte desorientierten Zugvögel, die ihre Brutplätze nicht mehr fänden, sich in den erleuchteten Siedlungen verfingen und vor Erschöpfung sterben.

Die Aufhellung des Nachthimmels beeinträchtige den Sternenblick in einem Umkreis von 200 Kilometer von größeren Städten. Das führe dazu, dass wir in vielen Gegenden Deutschlands kaum mehr Sterne am Himmel sehen. So ist der Lichtschein von Frankfurt in Schotten-Betzenrod bei klarem Wetter gut zu sehen.

Sabine Frank engagiert sich deshalb in der Initiative zum Schutz der Nacht für eine nachhaltige Lichtnutzung im „Sternenpark Rhön“. Ihr Ziel ist der sternenklare Nachthimmel, wie wir ihn manchmal aus unseren Urlauben weit weg von der Zivilisation noch erleben dürfen. Sie führt seit mehreren Jahren Lichtmessungen in der Rhön durch und entwickelte im Auftrag des Landkreises Fulda Grundsätze für Kommunen zur öffentlichen Beleuchtung, zur Reduzierung der Anstrahlung von Denkmälern und Kirchen, zur Beleuchtung von Sportplätzen, Gewerbegebieten und Parkplätzen, zur Werbebeleuchtung sowie zur privaten Außen- und Gartenbeleuchtung. Sie möchte, dass die „Sterne über der Rhön weiterhin funkeln und die Nacht bewahrt bleibt.“

Ein „Sternenpark Vogelsberg“ wäre doch auch ein attraktives Projekt für Schotten als Stadt am „Grünen Vulkan“, regte die EES-Vereinsvorsitzende Dr. Jutta Kneißel an. Und bei der anstehenden Modernisierung der Schottener Straßenbeleuchtung sollten die Beleuchtungs-Empfehlungen der Rhön-Initiative berücksichtigt werden.

Weiter Infos: www.sternenpark-rhoen.de / Kontakte: sabine.frank@landkreis-fulda.de / mail@mjatho.de

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