Wer sein Haus energetisch saniert muss Kompromisse eingehen

DGH Eschenrod wurde energetisch saniert

Die energetische Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Eschenrod war ein Kraftakt, der viele aktive Mitstreiter hatte. Doch ohne Eschenrods Ortsvorsteher Ewald Appel, der wie ein Bauherr die vielen Aktivitäten koordinierte und die Menschen für ihr DGH begeisterte,  wäre das wohl nicht gelungen. Erfahrungen für eine mögliche energetische Sanierung des eigenen Hauses lassen sich ebenfalls aus dem Projekt  gewinnen. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten hatte zu einer Informationsveranstaltung und Besichtigung in das DGH Eschenrod eingeladen.

Neue Photovoltaik-Anlage auf dem DGH Eschenrod

Neue Photovoltaik-Anlage auf dem DGH Eschenrod

Zunächst erläuterte Ewald Appel mit Unterstützung einer Dia-Show die verschiedenen Sanierungs-Etappen. Abrissarbeiten wurde weitgehend in Eigenleistung erbracht. Dagegen wurden die Bau- und Ausbaumaßnahmen von örtlichen Fachfirmen durchgeführt. Dach, Wände und Fenster wurden energetisch saniert. Eine effiziente Gasheizung und neue Heizkörper wurden installiert. Die Küche, ein Jugendraum und die Toiletten wurden neu gebaut. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach speist Strom in das allgemeine Netz ein. Die Erträge senken die Betriebskosten des DGH. Die Sanierung des DGH Eschenrod wurde noch aus dem inzwischen eingestellten Dorferneuerungsprogramm zu 60 Prozent finanziert. Die Stadt Schotten übernahm den Rest. Die kalkulierten Kosten konnten Dank der erheblichen Eigenleistungen und projektbegleitenden  Überprüfungen eingehalten werden. Ansonsten sind Budget-Überschreitungen ja eher die Regel. Auch im laufenden Betrieb hatte das DGH schon immer einen relativ hohen Deckungsbeitrag durch kostenpflichtige Nutzungen.

Erik Trausch und Martin Hohmann, zwei Malermeister und Fachberater erläuterten dann, worauf bei der energetischen Sanierung von Gebäuden zu achten ist. Grundsätzlich sind Neu- und Altbau zu unterscheiden. Bei einem Neubau werden energetische Maßnahmen von Beginn an mit geplant und dem im Aufbau befindlichen Gebäude optimal angepasst. Anders ist es bei bestehenden Bauten. Hier müssen aufgrund der baulichen Bedingungen oft Kompromisse geschlossen werden. Das fängt bei den Materialien an und setzt sich bei den Kosten fort.

Eine energetische Sanierung verändere die Eigenschaften des Gebäudes, so die beiden Fachleute. Eine Außendämmung werde von unten nach oben aufgebaut. Wenn im Sockelbereich nachlässig gearbeitet werde, habe das gravierende Konsequenzen für den Wärmeschutz und es bestehe die Gefahr von Hinterfeuchtung des Wärmeverbund-Systems. Um Wärmebrücken möglichst auszuschließen sollten deshalb spezielle Profile bei Fensterbänken, Balkonen und allen angrenzenden Bauteilen verwendet werden. Besonders erstaunt waren die Zuhörer über die Konsequenzen falsch gewählter Dämmmaterialien für den Außenanstrich. Wer sein Haus in hellen Pastelltönen streichen lassen will, kann sowohl mineralische als auch organische Dämmmaterialien verwenden. Nicht jedoch bei kräftigeren und dunklen Farben. Sie heizen das Haus von außen auf, sodass mineralische Materialien reißen können. Außerdem würden kräftige Farben durch UV-Strahlen verblassen, wenn man nicht die richtige Materialauswahl trifft. So sei ein leuchtendes Rot oft schon nach wenigen Jahren verblichen.

Der günstigste Preis sei nicht immer die beste Lösung, betonten die Fachleute. Wichtig sei vor allem eine gute Beratung und anschließende Planung des Vorhabens – möglichst aus einer Hand. Den ausführenden Handwerker solle man sich vor Ort suchen. Das erleichtere die Behebung eventueller Mängel. Einen guten Handwerker erkenne man im Übrigen an seinem Angebot. Dort müssten detailliert die einzelnen Positionen aufgelistet und erläutert sein. Wer nur ein Pauschalangebot abgebe, könne anschließend die für ihn günstigsten Materialien nehmen, die nicht immer die Besten seien. Das gelte auch für den Architekten. Ein guter Architekt hat das Vorhaben sauber kalkuliert, sodass es keine Nachträge gebe, die dann zusätzlich bezahlt werden müssten. Schließlich erfordere ein energetisch saniertes Haus ein anderes Nutzungsverhalten der Bewohner, entweder durch regelmäßige Lüftung der Räume oder durch einen eingebauten Luftaustausch.

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