Das Unsichtbare sichtbar machen

Schwachstellen am Haus führen zu Energieverlusten – was tun?

„Erkennen Sie das Unsichtbare!“ Unter diesem Motto erläuterte der Energieberater Christoph Steinhäuser auf Einladung des Vereins Erneuerbare Energien für Schotten (EES) wie Schwachstellen für den Energieverlust am Haus zu finden sind und welche Sanierungsmaßnahmen ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind.

Die Thermografie macht Unsichtbares also den Wärmeverlust am Gebäude sichtbar. Werden bei niedrigen Außentemperaturen mit einer Wärmebild-Kamera Aufnahmen von jeder Seite des Hauses gemacht, nimmt die Kamera die unterschiedliche Wärmeabstrahlung der Bauteile auf und gibt sie farblich auf dem Foto wieder. Wichtig ist dann die Nachbearbeitung am Computer mit einer Temperaturskala um die auf dem Foto dargestellten Farben zu bewerten.

Energieberater Christoph Steinhäuser demonstriert wie eine Wärmebild-Kamera funktioniert

Energieberater Christoph Steinhäuser demonstriert wie eine Wärmebild-Kamera funktioniert

Energieberater Steinhäuser präsentierte eine „Galerie typischer Schwachstellen“. Thermografie-Aufnahmen verglich er mit Fotos vom selben Objekt. So kann eine Haustür optisch noch sehr gut aussehen und trotzdem strahlt sie Wärme ab. Ursache sind oft schadhafte Dichtungen oder zu wenig Anpressdruck aufgrund falsch eingestellter Türblätter. Schlecht oder gar nicht isolierte Heizleitungen, die in die Außenwand eingestemmt sind, geben nahezu ungebremst Wärme an die Umgebung ab. Im Bereich von Heizkörpernischen ist der Wandquerschnitt der Außenwände geschwächt. Nicht gedämmt führt das zu beachtlichen Wärmeverlusten, da hier die Wärmeübergabe durch die Heizkörper erfolgt. Durchgängige Fensterbänke und Balkonplatten wirken als Wärmebrücke. Gaubenbacken haben oft eine fehlerhafte innere Dampfbremse. Wärmeverluste bei nicht gedämmten Rolladenkästen sind auf einer Thermografie besonders gut als dicke Balken zu erkennen.

Diese und weitere Schwachstellen ließen sich mit einer Fassadensanierung und –dämmung beheben oder wenigstens reduzieren. Dabei können jedoch Fehler gemacht werden. Der Austausch von Fenstern mit Isolierverglasung sollte am besten im Zuge einer Außendämmung erfolgen. Gleichzeitig sollten sich die Bewohner mit einem sinnvollen Lüftungskonzept für ihre Räume vertraut machen. Eine Innendämmung von Heizkörper-Nischen sollte nur nach einer fachlichen Prüfung erfolgen. Die unsachgemäße Ausführung kann zu Feuchteschäden führen. Ein undichter Anschluss von Dampfbremsfolien bei Dachbalken oder der Verbrauch von Material mit falschem bauphysikalischen Maß können längerfristig zu Bauschäden führen. Durchdringungen von Decken oder Wänden mit Leitungen, Kabeln oder Rohren werden häufig nicht richtig abgeklebt. Feuchtigkeit kann über fehlerhafte äußere Abdichtungen eindringen und die Dämmschichten durchfeuchten. Wasserdampf aus der warmen Raumluft kann in falsch konstruierten Aufbauten kondensieren und längerfristig das Bauteil ebenfalls durchfeuchten.

Selbst wenn die Schwachstellen für den Energieverlust erkannt sind, kann also die unsachgemäße Beseitigung den Erfolg gefährden. Hausbesitzer sollten sich immer vor Ort durch einen fachkundigen und unabhängigen Energieberater vor Durchführung ihrer Sanierungsmaßnahmen beraten lassen. Jedes Objekt sei anders, so Steinhäuser und sollte einzeln mit den passenden Dämmstoffen und Abdichtungsmaterialien berechnet werden. Auf einer solchen Grundlage könne anschließend bei einem Handwerker ein Angebot eingeholt oder die Maßnahme in Eigenleistung ausgeführt werden. Nur wenn ein Energieberater die Maßnahme begleitet, ist zudem mit einer Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu rechnen. In dem Zusammenhang kritisierte Dr. Jutta Kneißel, die Vorsitzende des EES, dass die von der Bundesregierung zugesagte Förderung für energetische Haussanierungen in Höhe von 5 Mrd. € aufgrund von Differenzen in der Koalition nicht zustande kommt. Damit würde der vorhandene Sanierungsstau weiter verschleppt.

 

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