Brauchen wir eine neue Heizung?

„Raustauschwochen“ – Kampagne für eine Wärmewende

Wer denkt schon im Sommer an eine neue Heizung? Schließlich haben wir den Winter und ein manchmal ziemlich kaltes Frühjahr gerade hinter uns gelassen. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Viele Heizungen sind in Deutschland älter als 20 Jahre und deshalb sanierungsbedürftig. Insgesamt 67 Prozent aller Heizungen sind nicht effizient und verbrauchen zu viel Energie. Mit einer neuen Heizung können bis zu 30 Prozent Energie eingespart und umweltschädliche Kohlendioxyd-Emissionen reduziert werden. Das will die Bundesregierung fördern. Sie startete eine bundesweite Kampagne für den „Rauschtausch“ alter Heizungen. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) und die Stadt Schotten informierten über diese Aktion. Patrick Eichelmann und Andreas Biermann von der Oberhessen gas erläuterten technische Möglichkeiten und Förderbedingungen.

EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel mit den Referenten Patrick Eichelmann (links) und Andreas Biermann

Die EES-Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel mit den Referenten Patrick Eichelmann (links) und Andreas Biermann

Neben der Energiewende bräuchten wir eine „Wärmewende“, die sich vor allem auf den Bestand konzentrieren müsse, so die beiden Experten. Die Betriebskosten der meisten installierten Heizungen seien zu hoch weil der Wirkungsgrad zu gering und die Anlagen häufig überdimensioniert sind. Nur 17 Prozent der 21 Millionen Wärmeerzeuger von privaten Haushalten genügten heutigen Standards und nutzten zugleich erneuerbare Energien. Allerdings werde Erdgas als effizienter aber fossiler Brennstoff auf absehbare Zeit ein Eckpfeiler der „Wärmewende“ bleiben. Das gelte auch für neue Heizungsanlagen. Immerhin habe das Gas die niedrigsten Kohlendioxyd-Emissionen aller Brennstoffe, sieht man von Holz-Pellets ab. Und auch beim Strommix sei der Anteil von Erdgas in den letzten Jahren gegenüber den anderen fossilen und atomaren Energieträgern gewachsen. Deshalb biete sich die Erdgas-Brennwerttechnik als „Bückentechnologie“ der nächsten Jahrzehnte an. Es sei eine bewährte Technologie mit überschaubarem Investitionsvolumen, die gut mit regenerativen Energiequellen wie Solarthermie, Biogas, zukünftig Power-to-gas sowie Blockheizkraft-Werken oder Brennstoffzellen kombinierbar sei. Erdgas habe einen relativ klimaschonenden CO2-Ausstoß und sei für viele zugänglich. Jeder kann anhand der Effizienzklassen für Erdgas-Heizungen prüfen, welche für ihn am Besten geeignet ist.

Der Aktionszeitraum für die „Raustausch-Wochen“ laufe in Hessen von März bis Oktober 2017. Die Geräteindustrie unterstütze die Aktion mit 200 Euro. Boni von bis zu 800 Euro gäbe es zusätzlich von den Versorgungsunternehmen. Der Einbau könne bis Ende Oktober und die Abrechnung im 4. Quartal 2017 erfolgen. Neben der Eigeninvestition, die mit einem Ansparmodell des Energielieferanten finanziert werden kann, gäbe es „All-inclusive“-Pakete. Dann kaufe man die Wärmeleistung. Installationskosten für die Heizung, Wartung und Reparatur werden dann für den Vertragszeitraum vom Energielieferanten übernommen. In Schotten existiert ein solches Modell. Das Altersheim der Sozialen Dienste hat keine eigene Heizung mehr sondern bezieht Heizungswärme und warmes Wasser über das Nahwärmenetz der neuen Heizzentrale beim Vulkaneum. Wärmegarantie-Pakete mit ihrem Versorger hätten auch das Kino in Nidda und die Kulturscheune in Limeshain abgeschlossen.

Abschließend wies die Vorsitzende des EES Dr. Jutta Kneißel auf einen wichtigen Grundsatz effizienten Energieverbrauchs hin. „Die nicht verbrauchte Energie sei immer noch die billigste“. Vor einer Investition in eine neue Heizung sollte deshalb jeder Hausbesitzer Einsparmöglichkeiten durch Dämmmaßnahmen am Haus, energetischen Abgleich, Austausch der Wärmepumpe etc. prüfen. Die Heizung könnte kleiner ausgelegt werden und würde preiswerter bei geringerem Verbrauch. Dazu sollte man sich vorher mit einem regionalen Heizungsmonteur und Energieversorger beraten.

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