Stadtradeln

Schotten auf dem Weg zur Fahrradstadt?

Haben wir das Fahrrad einem Vulkan zu verdanken? 1815 explodierte der Vulkan Tambora auf Indonesien und schleuderte ungeheure Mengen von Feinstaub in die Atmosphäre, die die Erde verdunkelten. 1816 ist bei uns ein Jahr ohne Sommer mit Missernten und Hungersnöten. Getreide- und Futtermittelpreise steigen. Millionen Pferde verhungern oder müssen notgeschlachtet werden. Damit verlieren unsere Vorfahren ihr wichtigstes Transportmittel. Vielleicht war das der Auslöser für eine große Innovation – das Fahrrad. Denn 1817 erfindet Karl Freiherr von Drais das Laufrad, Vorgänger unseres heutigen Fahrrades. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert wird das Fahrrad dank industrieller Massenproduktion zum dominierenden Individualverkehrsmittel. Mit dem Siegeszug des Autos wird es jedoch als Verkehrsmittel marginalisiert. Inzwischen nutzen aber wieder mehr Menschen das Rad in ihrer Freizeit, im Urlaub oder auf dem Arbeitsweg. Das Fahrrad ist wieder ein akzeptiertes Fortbewegungsmittel. Mittlerweile werden in Deutschland mehr Fahrräder als Autos verkauft. Radler vermeiden Staus in den Städten, leisten einen Beitrag für ein gutes Klima und fördern die eigene Gesundheit.

Dieser Trend soll durch das „Projekt Stadtradeln“ verstärkt werden. Der Verein Erneuerbare Energien für Schotten (EES) lud deshalb den für das Projekt verantwortlichen Klimaschutz-Manager von Schotten Peter Glasstetter in den Vortragssaal des Vulkaneums ein, um die Einzelheiten vorzustellen. Vom 14. August bis zum 3. September sollen die in Schotten geradelten Kilometer gezählt werden. Interessierte können sich auf der Kampagneseite www.stadtradeln.de/schotten anmelden und dort täglich oder wöchentlich ihre geradelten Kilometer eintragen – entweder als Einzelne oder als Gruppe. Alternativ gibt es Berichtsbögen bei Peter Glasstetter in der Stadtverwaltung. Letzte Nachträge sind bis zum 10. September möglich.

Nun ist Schotten mit 500 Höhenmetern nicht gerade ein Eldorado für den Alltagsradler. Hier könnte das E-Bike helfen. Dessen Verkaufszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Ältere Menschen, die jahrelang nicht mehr auf dem Drahtesel saßen, entdecken das Radeln für sich neu. Doch auch jüngere Menschen nutzen das E-Bike für den Arbeitsweg oder zum Einkaufen. Dirk Tredup aus Betzenrod hatte einige E-Bikes mitgebracht, die von mehreren Teilnehmern zu Probefahrten genutzt wurden. Die Akkus halten inzwischen bis zu 100 Kilometer. Außerdem stellte der Betzenröder die Möglichkeiten des Dienstradleasings vor. Wenn der Arbeitgeber mitmacht profitieren Arbeitnehmer von der Dienstradregelung und erwerben im Verlauf von drei Jahren günstig ein Rad ihrer Wahl.

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und Andreas Drinkuth lassen sich von Dirk Tredup über E-Bikes beraten

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel und Andreas Drinkuth lassen sich von Dirk Tredup über E-Bikes beraten

Auf dem Weg Schottens zur „Fahrradstadt“ müsse man wohl noch einige dicke Bretter bohren meinte die EES-Vorsitzende Jutta Kneißel zum Abschluss der Veranstaltung. Deshalb wäre es gut, wenn möglichst viele Bürger beim Stadtradeln mitmachen. Und vielleicht überlegt sich ja der eine oder andere, sich ein E-Bike anzuschaffen um so besser die Höhenmeter im Vogelsberg zu bewältigen.

 

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